Berlin

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Donnerstag, 25. Dezember 2014

Meine Lieblingsbücher 2014

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In Arbeit ist ein Beitrag, der eine Reihe von Lieblings... whatever von mir enthält. Den mache ich seitdem es den Blog gibt (2012 und 2013) und er erscheint immer am 1. Januar. Er enthält regelmäßig auch meine Lieblingsbücher des Jahres. Inspiriert durch andere Blogger und Facebookposts, u.a. von Buzzaldrins, möchte ich aber auch einen kurzen Rückblick ausschließlich auf meine persönlichen Lesehighlights des letzten Jahres werfen. Es überrascht mich schon jetzt, dass für meine Verhältnisse viele deutsche Bücher darunter sind. Ich bin seit Jahren eher eine anglophile Leserin und verschlinge viele viele viele amerikanische Bücher im Original. Aber dieses Jahr haben mich die deutschen Autorinnen noch mehr gepackt als schon im letzten Jahr, wo auch einige unter meinen Highlights waren.

Sich die besten Bücher, die man im Laufe eines Jahres gelesen hat, noch einmal konzentriert vor Augen zu halten, ist ein bisschen, wie das ganze Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Jahre bestehen nicht so sehr aus Tagen, als aus einer Perlenkette aus Büchern, an denen man sich durch die Zeit bewegt.

Das letzte Land meiner Freundin Svenja Leiber habe ich mir perfide vom Verlag erschlichen, der es mir eigentlich erst nicht schicken wollte, dann aber doch. Mein Blog wird nicht häufig genug frequentiert, weshalb er für die Verlage im Grunde nicht interessant genug ist. Ich hätte mir das Buch natürlich auch gekauft! Für mich ist Svenja eine der ganz großen deutschen Schriftstellerinnen.
Die Geschichte eines sehr begabten Geigers, der das Dritte Reich überlebt und der doch so viel verliert, ist intelligent, berührend und wunderschön.Wobei Svenjas Bücher für mich immer wieder auch durch ihre knappe, konzentrierte Sprache heraus ragen. Sie erschafft Welten mit einem halben Satz. Na klar kann man die gleiche Welt auch mit zwanzig Seiten schildern, und auch das kann wunderschön sein. Aber diese Knappheit, auch die oft ungewöhnliche Wortwahl haben etwas verzauberndes und auch mutiges. In einer Welt des Zugetextetwerdens, der ständigen verbalen Berieselung, ist diese Knappheit erholsam.
Zu Weihnachten bekam ich Das Ungeheuer von Terézia Mora geschenkt. Es wurde schlagartig mein zweites Lieblingsbuch, und dies hatte verschiedene Gründe: unter anderem liebe ich die Geschichte, der Aufbau, zwei Bücher sozusagen gleichzeitig in einem, die Notwendigkeit, immer wieder hin- und her zu blättern, hat mich gefangen genommen. Ich spürte beim Lesen die Konzentration der Autorin, um diese komplexe Welt erschaffen zu können und in eine solche Konzentration kann ich mich geradezu verlieben.
Ich finde die Charaktere nicht sympathisch in dem Sinne, dass ich sie in meinem Leben dauerhaft angesiedelt sehen möchte, aber doch in dem Sinne, dass ich nicht genug von ihnen bekommen kann. Last but not least träume ich seit der Lektüre dieses Buches davon, einen Roadtrip durch Russland, Ost- und Südosteuropa zu unternehmen (wenn möglich, ohne Asche von irgendwem im Kofferraum, aber gerne mit sehr viel Zeit).
Ehre von Elif Shafak kaufte ich mir am Indiebookday. Ich hatte im Netz, bei anderen Bloggern, soviel darüber gelesen, dass ich immer gespannter darauf wurde. Außerdem wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass im Jahre 2014 meine allererste Reise in die Türkei anstehen würde, da war es nur folgerichtig, mich in dieses Land auch literarisch zu begeben.Die Geschichte eines Ehrenmordes, einer Familie über drei Generationen, eine Geschichte von einer Auswanderung und auch eine Geschichte davon, was Frauen widerfahren kann dort, wo sie nicht respektiert werden. Das Buch hat mich vom ersten bis zum letzten Satz gefesselt. Ich habe es mittlerweile schon mehreren Freundinnen geschenkt und sie alle waren, wie ich, begeistert!
Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage von Alice Munro war ein Geburtstagsgeschenk im Januar gewesen. Doch erst im Sommer, als ich zwei Wochen im Garten war, kam ich dazu, es zu lesen. Was soll ich sagen? Alice Munro ist eine Meisterin: Der Kurzgeschichte, der Schilderung des Menschen, der Alltäglichkeiten, die letztendlich ein Panorama des Menschlichen bilden und eine Tiefe enthalten, die nur der wirklich geübte Seher erkennen kann. Jede einzelne Geschichte ließ mich atemlos zurück, im Grunde süchtig nach mehr. Die in den Geschichten erzählten Schicksale sind teilweise so spannend, dass ich noch heute, ein halbes Jahr nach der Lektüre, an manche Charaktere denke und mir auszumalen versuche, wie es wohl weiter gegangen sein könnte, ihr Leben.(Dieses Buch ist auch auf Deutsch erschienen, wo es Himmel und Hölle heißt, ein Titel, der den Geschichten nur oberflächlich gerecht wird)
Vor dem Fest von Sasa Stanisic habe ich einfach so verschlungen - ich wusste schon lange, dass ich es lesen wollte, weil es ja auch so eines der Bücher war, an denen man, sofern man literarisch im Netz unterwegs ist, nicht vorbei kam. Alle haben es gelesen, alle liebten es. Ich war ein wenig skeptisch. Wenn schon alle ein Buch lieben, kann es dann noch gut sein? ist eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Aber dann ging ich eines Tages rein zufällig in die Buchhandlung am Moritzplatz und sah, dass er dort lesen würde. Ich gebe zu, zu diesem Zeitpunkt war mein Wunsch, das Buch zu lesen, schon so überdimensioniert, dass ich es ständig verschenkte, um meinen eigenen Wunsch danach zu kaschieren. Circa drei Freundinnen bekamen es, immer mit dem Zusatz "leih es mir bitte, wenn du es durch hast" von mir geschenkt.
Als es eine endlich durch hatte, stürzte ich mich sofort darauf. Ich mochte das Buch sehr, aber es hat mich ganz zum Schluss irgendwie nicht so überzeugt, wie die anderen hier erwähnten Bücher. Die Geschichte war nicht fertig, kann es vielleicht auch nie sein und kam mir letztlich vor, wie ein Schlaglicht auf die Landschaft, anhand einzelner Charaktere, aber nichts davon zuende gebracht. Es war am Ende nicht ganz rund, wenn man das so sagen kann. Dennoch war es eines meiner Lieblingsbücher, da es ein paar meiner absoluten Lieblingsstellen des Jahres enthält, und auch weil Sasa Stanisic einfach großartig ist und die Lesung eines meiner Highlights des Jahres war und zum Schluss: ich liebe die Uckermark, ich habe alles wieder erkannt, ich wohne praktisch dort, da kommt man nicht darum herum, das Buch auch irgendwie zu lieben. Das Lesen dieses Buches war für mich wie Nachhause kommen.
The Gathering von Anne Enright habe ich erst kürzlich gelesen und es hat mich sofort gefangen genommen. Die Sprache, die Geschichte, der Tiefgang. Eine Familiengeschichte, in Irland, unübersichtlich viele Geschwister, die eine Schwester, Veronica, mittlerweile wohl situiert verheiratet und selbst Mutter, muss ihrer eigenen Mutter den Tod ihres Bruders mitteilen. Mit diesem Bruder, der Selbstmord verübt hat, war Veronica besonders eng verbunden. Die beiden teilten ein Geheimnis. Etwas schreckliches ist geschehen im Haus der Großmutter, wo sie einen gewissen Zeitraum ihrer Kindheit verbrachten, als die Mutter durch zu viele kleinere Geschwister keine Energie mehr für sie hatte. Während Veronica versucht, den Selbstmord des Bruders zu verarbeiten, reist sie immer wieder in die Vergangenheit und stellt ihre Gegenwart in Frage. Phantastisches Buch, das auch auf Deutsch erschienen ist. Dort heißt es Das Familientreffen.
Jetzt lese ich gerade Der Turm von Uwe Tellkamp. Ich hatte dieses Buch bereits vor zwei oder drei Jahren zu Weihnachten bekommen, nachdem ich es mir sehr gewünscht hatte. Dann lag es neben meinem Bett und immer wieder, wenn es im Stapel der ungelesenen Bücher nach vorne gerutscht war, ordnete ich es erneut weit hinten ein. Da war eine Abneigung in mir, es zu lesen und ich glaube, sie hatte mit all dem Negativen zu tun, das ich über das Buch gehört hatte. Komplizierte Sätze, angeberischer Stil, aufgeblasene Sprache, unnötige Eitelkeiten ... Dann las ich endlich doch den ersten Satz und war sofort hinein gezogen in eine Welt, die mir unglaublich fremd und doch vertraut war. So deutsch. Beklemmend, den Atem verschlagend, wir wissen, wie es ausgeht, wir wissen, irgendwie,  was geschehen wird, und doch die Unvermeidlichkeit, mit der die einzelnen Protagonisten, Bürger, die die Bildung lieben, die in Dresden leben (nur so am Rande: das Sächsische in Schriftform gebracht zu sehen, ist eines der Highlights für mich!), auf die Wende zu laufen, was ihnen noch alles geschieht, die Enge, diese Unfreiheit - das ganze Buch ist für mich eine Reise in eine Welt, die ich bislang so nicht kannte, ein Panoramablick, und ich liebe die Personen. Christian, Meno, Judith Schevola, Barbara (enöff) .... wenn es nur Eitelkeit benötigte, um solche Bücher zu fabrizieren, dann wundert es mich ein wenig, dass wir davon nicht mehr zu lesen bekommen. Für mich ist es ein großes Buch und ich genieße jeden einzelnen Satz!

Noch ist das Jahr nicht zuende. Ich rechne damit, den Turm noch vorher zu beenden und eventuell Jenny Offills Dept. of Speculation oder Nino Haratischwilis Das achte Leben zu beginnen.
Also, wer weiß, vielleicht schafft es noch ein Buch auf meine Liste.
Euch allen noch einen wunderbaren letzten Weihnachtstag und eine ruhige und lesereiche letzte Woche 2014!
Alles Liebe!

©Susanne Becker

Sonntag, 14. Dezember 2014

Georgia O'Keeffe auf Ghost Ranch - Ein Photo-Essay von John Loengard



Ein Bildband, der mich schon seit Jahren begleitet, den ich immer wieder anschaue, ist der Photo-Essay über die schon recht alte Georgia O'Keeffe und ihr Leben in New Mexico Georgia O'Keeffe auf Ghost Ranch. Angesichts der Tatsache, dass ich im kommenden Jahr ganz in die Nähe der Ghost Ranch gehen werde, um drei Wochen in der Abgeschiedenheit New Mexicos zu schreiben, habe ich das Buch heute wieder hervor geholt. Die Landschaft New Mexicos fasziniert mich, seitdem ich vor vielen Jahren dort, auf Georgia O'Keeffes Ghost Ranch, einen Schreibworkshop mit gemacht habe. Die Faszination ist nicht rational erklärbar, sondern einfach eine Tatsache, die sich mir von der ersten Begegnung an durch ein klares Gefühl aufdrängte. Eine Sicherheit: dies ist einer meiner Seelenorte, wo man sich sofort selbst begegnet und alles glasklar ist. Wäre ich nicht in Berlin gelandet, ich denke, ich wäre dorthin gezogen, unvermeidlich.

Georgia O'Keeffe war eine der großen amerikanischen Malerinnen (sehr empfehle ich die Biographie von Roxana Robinson Georgia O'Keeffe A Life), die hier nicht so bekannt ist. Wer mehr über ihre Arbeit erfahren möchte, dem empfehle ich dieses Buch: Georgia O'Keeffe und dieses Art & Life of Georgia O'Keeffe, sowie
Sie wurde 99 Jahre alt und verbrachte die letzten 37 Jahre ihres Lebens, nach dem Tode ihres Mannes, des berühmten Photographen Alfred Stieglitz, in der Zurückgezogenheit der Landschaft, nach der sie sich schon immer gesehnt hatte, als sie noch mit ihrem Mann an der Ostküste, hauptsächlich in New York, lebte.

John Loengard war jung, als er 1966 den Auftrag bekam, die große amerikanische Künstlerin in der Wüste zu besuchen und anlässlich ihres 80. Geburtstages zu porträtieren. Im Text nimmt man die Faszination und auch die Irritation des Jungen mit der Alten wahr. Die Bilder aber sprechen eine deutliche Sprache

Morgenspaziergang

auf ihrem Bett sitzend

mit einem Stein

Ghost Ranch

Abendspaziergang
Heraus gekommen sind Bilder, die mich, jedes einzelne von ihnen, in meditativer Stille stundenlang hinschauen und nicht-denken lassen. Die Ernsthaftigkeit und Tiefe der Malerin, der Landschaft, ihres Lebens, sie spricht aus jedem der Bilder. Sie kommt einem vor wie eine buddhistische Nonne, die Knochen sammelte, Steine, Klappern von Klapperstangen, alles, was die Wüste ihr schenkte auf ihren ausgedehnten Spaziergängen. Das Wesentliche, so reduziert und klar, spricht aus jedem Bild, aber auch aus dem Gesicht und der Haltung dieser Künstlerin.
Die Gesamtansicht ihres Lebens sah natürlich auch anders aus, hatte viele Facetten, nicht nur die reduzierte Seite dieser Photos. Aus verschiedenen Quellen, nicht zuletzt von Loengard selbst, weiß man, dass O'Keeffe viele Besucher hatte, sehr sozial war und vielleicht auch ein kleines bisschen eitel. Es heißt, sie habe sich gerne mit jungen Männern umgeben. (Ehrlich gesagt: warum auch nicht?)
Die Bilder zeigen all dies nicht. In ihnen wird ein Tagesablauf auf Ghost Ranch dokumentiert, der an das Leben einer Eremitin denken lässt. Morgenspaziergang, Lesen, Gartenarbeit, Hundepflege,
Abendspaziergang. Es sind faszinierende, für mich unglaublich inspirierende Bilder.
Ich bekam das Buch vor vielen Jahren von einer Freundin, die mir damals eine Widmung hinein schrieb: Ich sehe Dich an ihrer Stelle. Diese Freundin ist übrigens selbst eine herausragende Fotografin, Regula Franz.

Wenn ich das Buch durch blättere, freue ich mich auf New Mexico, ich muss aber auch an die beschaulichen Tage im Garten denken, und dass die Essenz dieser Bilder nicht an einen Ort gebunden ist, sondern an ein inneres Stillsein, welches überall möglich ist. Das Abfallen aller Äußerlichkeiten, aller Oberflächlichkeit, das Sein in einer Landschaft, in der Natur, wo Steine und Knochen eine Fülle haben, wo Spaziergänge im Morgengrauen und der Abenddämmerung wie selbstverständlich dazu gehören und es kein Internet gibt. Es ist nicht der Ort, den ich ersehne, es ist die Seinsweise. Und sie wird in dem Bildband wunderbar dokumentiert.

© Susanne Becker

Samstag, 13. Dezember 2014

Pilgrimage von Annie Leibovitz - Ein Bildband


Ich habe mich immer für Photographie interessiert, aber nie in einem technischen Sinne. Ich mochte gute Photos und ich habe mir immer gerne Bildbände angeschaut. Ich mache auch gerne Photos, aber das sind nicht mehr als Schnappschüsse. Denn ich weiß über Kameras nicht mehr, als wo der Auslöser ist.
Ich habe es immer geliebt, mir Photos anzuschauen. Für mich ist Photographie eine der wirklich großen Kunstformen. Denn ein Photo kann in einem kleinen Moment alles festhalten, was ist, die ganze Wahrheit. Photographien fangen das Leben auf eine Weise ein, wie es kaum eine andere Kunstform kann. Der Moment, seine flüchtige Bedeutung, seine Schönheit. Ein gutes Photo ist für mich wie ein gutes Gedicht. Und mit einem guten Photo meine ich nicht unbedingt ein gut bearbeitetes Photo. Mich hat immer am meisten der Blick des Photographen auf die Welt interessiert Der kann auch unbearbeitet wunderbar sein und von berührender Schönheit.

Eines meiner liebsten Photobücher ist Pilgrimage von Annie Leibovitz.
Das Buch wurde ursprünglich geplant von ihr und ihrer Lebensgefährtin Susan Sontag. Sie nannten es das Beauty Book. Sie wollten gemeinsam Orte besuchen, die für sie eine Bedeutung hatten, die außergewöhnlich waren. Auf ihrer gemeinsamen Liste waren der Amazonas und auch die Pyramiden. Es sollte ein Buch werden, das keiner Agenda, keiner Deadline zugrunde lag, sondern allein angetrieben wurde von ihrem Wunsch, diese Orte zu sehen und sich mit ihnen zu verbinden und dies dann zu dokumentieren. Annie Leibovitz wollte gerne noch einmal Photos machen, wenn sie sie sah, und nicht, wenn sie dazu einen Auftrag hatte. Das Beauty Book sollte also auch ein Ausdruck von künstlerischer Freiheit werden. Dann starb Susan Sontag an Leukämie und im gleichen Jahr verlor Annie Leibovitz ihren Vater und geriet in eine nicht unerhebliche finanzielle Krise. Den Sommer dieses unglücklichen und belasteten Jahres verbrachte sie in Upstate New York mit ihren Kindern. Unter anderem hatten sie einen Ausflug zu den Niagara Fällen geplant. Als sie dort waren, nahm Annie Leibovitz eher zufällig das Bild auf, das dann zum Coverphoto wurde. Sie beschloss ihre eigene Pilgerreise anzutreten, ihr eigenes Beauty Book zu machen, und eine Liste von Orten entstand, zu denen sie reisen und wo sie photographieren wollte. Auch, um über den Verlust hinweg zu kommen, um sich selbst zu nähren und wieder eine Bedeutung für ihr Leben zu finden, und natürlich in Erinnerung an Susan Sontag. Die Ziele, sagt sie selbst, sind nicht so glamourös wie jene auf der gemeinsam entstandenen Liste. Ich kann ihr da nicht zustimmen. Denn eigentlich ausnahmslos finde ich alle von ihr gewählten Orte unglaublich faszinierend, wenn auch manchmal exzentrisch (Graceland!!)
Es war eine Liste von Orten und Menschen, in die einzutauchen ihr Heilung bringen würde. Georgia O'Keeffe, Virginia Wolf, Ansel Adams, Emily Dickinson, Luisa May Alcott, Elvis Presley...
Georgia O'Keeffes Kreiden
Graceland
Leibovitz besuchte deren Orte, Häuser und photographierte das Innere der Häuser, die Gärten, kleine Details in den Regalen oder an ausgestellten Kleidungsstücken (viele der Orte sind heute Museen), aber auch Landschaften. Sie schafft es, so finde ich, oft das Wesen einzufangen, sowohl der Personen, als auch der Orte, und nicht zuletzt ihrer eigenen Pilgerreise. Wenn ich das Buch durch blättere, werfen mich viele der Bilder auf mich selbst zurück. Unvermittelt entsteht eine Liste von Orten, zu denen ich gerne reisen würde. Natürlich würde ich dort schreiben wollen, aber selbstredend würde ich auch Photos machen. Schiefe, unterbelichtete, unscharfe Schnappschüsse.
Einige der Orte in dem Buch habe ich bereits selbst besucht (z.B. Graceland!!)  und kann die Magie (Georgia O'Keeffes Zuhause in New Mexico) vollkommen nachvollziehen, die anderen möchte ich fast alle besuchen. Das Buch ist in so vieler Hinsicht anregend. Als ich es im Regal meiner Lieblingsbuchhändlerinnen sah, wusste ich sofort, dass ich es haben möchte. Ich mag Leibovitz' Erzählungen, ihre Photos, die Plätze, die sie ausgewählt hat und ich mag die allem zugrunde liegende Idee von der Freiheit, sich von seiner Intuition leiten zu lassen, von Platz zu Platz zu treiben, und dort das zu tun, was ansteht, anstatt einem vorgefertigten Plan zu folgen. Freiheit Intuition Kreativität - Pilgrimage!
Emerson's Schlafzimmerfenster
Vanessa Bells Haus
the Great Chalk Cliffs
Ein tolles Weihnachtsgeschenk übrigens!

Andere Bücher von ihr sind unter anderem: Women (in Zusammenarbeit mit Susan Sontag), A Photographer's Life 1990 - 2005 und Annie Leibovitz at Work


 © Susanne Becker





Donnerstag, 4. Dezember 2014

100 bemerkenswerte Bücher 2014 - Die New York Times Liste

Meine Lieblingsliste ist wieder da! Freude! 100 notable books of 2014 der New York Times. (Anmerkung: auch die Listen von 2012 und 2013 sind im Grunde noch immer interessant, zeitlos sozusagen, in dem offensichtlichen und simplen Sinn, dass ich es in dieser Zeit nicht mehr schaffen werde, sie abzulesen.
Meine Weihnachtswunschliste ist ja bereits online. Es ist also nicht so, dass ich wirklich noch Bedarf hätte, neue Bücher zu finden. Zumal ich es mittlerweile schaffe, mich 1a zu disziplinieren, mit leeren Händen aus Buchläden zu gehen, mich auf die Bücher zu konzentrieren, die ich habe und mir erst dann neue zu kaufen, wenn ich sie wirklich brauche. Naja, meistens.Hier könnte man natürlich eine Diskussion darüber beginnen, ob jemand/ich tatsächlich Bücher braucht. Aber das ist eine Frage, die habe ich, ganz ehrlich, schon im Alter von 12 absolut mit ja beantwortet. Die Notwendigkeit, Bücher um mich zu haben, in ihnen tagtäglich zu lesen, sie zu riechen, anzufassen, darüber nachzudenken, mich an ihnen wie an einem roten Faden durch mein Leben zu hangeln, ist damals erwacht. Sie hat nie auch nur geschlummert. Sie war immer hellwach und Bücher waren, neben Menschen, immer das wichtigste in meinem Leben.

Ich liebe es (LIEBE ES), Bücherlisten zu durchforsten und mir Notizen zu machen über alles, was mich daran interessiert. Das löst ein Kribbeln in meinem ganzen Körper aus und eine Freude, die höchstens mit der vergleichbar ist, in einem Flugzeug zu sitzen und sich im Landeanflug auf einen wunderschönen Ort zu befinden.

Meine Notizen zu dieser wunderbaren Liste sehen in diesem Jahr so aus:

Wieder stelle ich fest, dass ich den Großteil der Schriftsteller, die auf der Liste sind, nicht kenne. Gut. Dafür sind die meisten Schriftsteller, die ich kenne, auch nicht auf der Liste. Damit wäre das ausgeglichen.
Obwohl ich der Liste irgendwie zu Füßen liege, interessieren mich diesmal nicht so viele Bücher auf ihr.
Natürlich wäre da Blazing World von Siri Hustvedt. Das werde ich auf jeden Fall irgendwann lesen. Ich liebe Siri Hustvedt, wenn auch nicht jedes ihrer Bücher, wie ihr hier feststellen könnt. Aber ich gehe davon aus, dass dieser Roman, der in der Kunstwelt spielt, wieder hochintelligent, unterhaltsam und gut gemacht sein wird. Ihre Bücher, selbst die, die ich nicht mag, ringen mir immer Hochachtung ab, denn sie sind klug.
Can't and won't von Lydia Davis interessiert mich, weil sie mir in der letzten Zeit häufig, virtuell wenigstens, über den Weg gelaufen ist. Es ist beim Literaturverlag Droschl auf Deutsch erschienen und heißt dort Kanns nicht und wills nicht. Sehr erfolgreich, ist es u.a. auf der ORF Bestenliste im Dezember auf dem 1. Platz und wird von allen Seiten hoch gelobt. Davis ist eine Meisterin der Kurzprosa, ein Genre, das mich interessiert. Last but not least ist sie die erste Ehefrau von Paul Auster, der ja mittlerweile schon lange mit Siri Hustvedt verheiratet ist. Sie hat mit Auster einen gemeinsamen Sohn und Hustvedts Roman What I loved (den ich unglaublich großartig fand) soll angeblich von diesem Sohn und Austers erster Frau handeln.
Dept. of Speculation von Jenny Offill ist ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste. Wenn ich ganz großes Glück habe, bringt es mir eine Freundin am Samstag aus den USA mit. Ein Buch über eine Schriftstellerin in Brooklyn, die sich verliebt, die heiratet, die ein Kind bekommt. Ein Buch über Ehe, darüber, plötzlich Mutter zu sein und trotzdem zu schreiben, über die Krisen, Kämpfe und Gefühle, alles aus der Sicht der Frau. Ersetzen Sie das Wort Brooklyn mit Kreuzberg und ich habe auf der Stelle das Gefühl, dies ist ein Buch über mich. Und ich gebe hiermit zu, was sowieso schon lange auf der Hand liegt, dass Bücher, von denen ich glaube, sie könnten von mir handeln (direkt oder indirekt), mich unglaublich anziehen. Ich bin hoffnungslos subjektiv, auch und vor allem beim Lesen.
Dann ist da noch ein Buch mit Gedichten das mich sehr interessiert, weil ich die Autorin, Louise Glück, schon eine Weile immer wieder am Rande wahrnehme. Alle Gedichte (o.k., es waren vielleicht drei), die ich bisher von ihr gelesen habe, gefielen mir mehr als gut. Faithful and Virtuous Nights wünsche ich mir also (und vielleicht zählen Bücher mit Gedichten nicht, weil man sie sowieso nicht durch liest wie andere Bücher, sondern immer auf dem Nachttisch liegen hat, um wieder und wieder einmal hinein zu schauen? Also könnte ich mir ein Buch mit Gedichten im Grunde auf der Stelle besorgen, ohne meine eigenen Vorsätze auch nur ansatzweise zu berühren?! Ich glaube, ja!!)

© Susanne Becker