Berlin

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Freitag, 29. August 2014

never a poem




















never a poem
again for you
truth always reveals
itself speechless even
if one like me has faith
beyond reason into love
the possibility of miracles  
shooting stars fulfilling
what is meant to be
there are things meant to be
nothing will happen
meanwhile I will not write
into the air not words 
or wishes or pledges no
whispers evenly choked
to become a poem again



© Susanne Becker
Foto by Martin von Elm

Samstag, 16. August 2014

august


in august
you clear the table.
slowly every movement
can become practise to live traceless.

summer is packing its suitcase,
hesitantly kissing the apples,
falling too early this year,
with its fading light.
every encounter with the world
aimed to be itself,
preparing to enter
the quietude of fall and winter,
to become a shadow of what is.

I want to swim one more time.
so subtle, that the lake looks
like a piece of dark green velvet.

no traces – just me and the water.

© Susanne Becker

Mittwoch, 13. August 2014

Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014

Seit heute morgen ist sie also bekannt, die Longlist für den Deutschen Buchpreis und ich verhehle nicht, dass sie mich enttäuscht hat. Meine persönliche Favoritin Svenja Leiber mit ihrem großartigen Buch Das letzte Land ist nicht dabei. Im Grunde verstehe ich es nicht. Aber im Grunde verstehe ich die Longlist des Deutschen Buchpreises sowieso nie. Dennoch hat im letzten Jahr das Buch gewonnen, das für mich der herausragende Favorit war, der im Grunde einzig mögliche veritable Gewinner Das Ungeheuer von Terézia Mora. Das zeigt mir erstmal eins: es gibt Momente, das sind der Deutsche Buchpreis und ich auf einer Wellenlänge, es gibt andere Momente, da schweben wir offensichtlich durch völlig unterschiedliche Sphären. Einer dieser Momente ist gerade eingetreten weswegen ich ein bisschen beleidigt bin, auch wenn ich weiß, dass das nichts nützt.
Ich bin leicht zu versöhnen, weswegen ich diese Longlist auch schon wieder freundlich anzwinkere und mir überlege, welches dieser Werke mein Favorit sein könnte, welche davon ich überhaupt lesen möchte und warum, zum Kuckuck nochmal, Judith Hermann und Olga Grjasnowa auch nicht drauf sind, dafür aber, wie schon von love german books so treffend bemerkt, "a mixture of old men still plodding away" anstatt mal ordentlich weiblich geniale Autorinnen (als würde es von denen nicht massig Bücher geben!)

Egal, hier sind die 20 Longgelisteten und meine total unprofessionellen klitzekleinen Anmerkungen zu jedem Buch:

Lukas Bärfuss: Koala (Wallstein, March 2014) Ich bin mir noch absolut unschlüssig, ob es mich interessiert. Die Leseprobe hat mich nicht überzeugt.

Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt (Luchterhand, March 2014) Ich sage etwas eventuell unpopuläres: Ich mag Ulrike Draesner nicht. Ich habe sie live erlebt, als Jurorin bei einem Preis, ich fand sie selbstverliebt und eitel. Das gleiche Gefühl überkam mich bei ihrer Homepage und vielen ihrer Gedichte. Aber dennoch werde ich dieses Buch zumindest anlesen, denn die Thematik interessiert mich, die Leseprobe hat mich überzeugt, auch wenn ich das dem Buch vorangestellte Nietzschezitat schon wieder eitel und selbstverliebt finde. Ich habe die Hoffnung, dass dies nicht für den Rest des Buches zutrifft.

Antonio Fian: Das Polykrates-Syndrom (Droschl, February 2014) Interessiert mich null.

Franz Friedrich: Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr (S. Fischer, August 2014) Werde ich definitiv lesen! Ist mein zweiter Favorit!

Thomas Hettche: Pfaueninsel (Kiepenheuer & Witsch, September 2014) Interessiert mich nicht wirklich, obwohl ich an dieser Stelle unpassender- und unqualifizierterweise darauf hinweisen möchte, dass die Pfaueninsel in Berlin in der Tat ein magischer, wunderschöner Ort ist.

Esther Kinsky: Am Fluß (Matthes & Seitz Berlin, August 2014) Interessiert mich auch nicht wirklich.

Angelika Klüssendorf: April (Kiepenheuer & Witsch, February 2014) Dieses Buch macht mich neugierig, nicht nur auf es selbst, sondern auch auf seinen Vorgänger Das Mädchen, den ich bisher nicht gelesen habe.

Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand (Hanser, August 2014) Interessiert mich nicht, aber hinterlässt für dieses Statement ein schlechtes Gewissen in mir, so nach dem Motto: Sollte Dich aber interessieren! 

Martin Lechner: Kleine Kassa (Residenz, February 2014) Klingt sehr gut!

Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling (Suhrkamp, March 2014) Ich war eigentlich entschlossen, mich für dieses Buch zu begeister, als ich aber den Text des Verlags las, stellte ich fest, dass es mich nicht interessiert. 

Charles Lewinsky: Kastelau (Nagel & Kimche, July 2014) Könnte ein interessantes Buch sein.

Thomas Melle: 3000 Euro (Rowohlt.Berlin, August 2014) Ja, warum nicht? Reisst mich jetzt thematisch nicht vom Hocker, aber schlecht ist es sicher nicht.

Matthias Nawrat: Unternehmer (Rowohlt, March 2014) Werde ich wohl eher nicht lesen.

Christoph Poschenrieder: Das Sandkorn (Diogenes, February 2014) Dito

Lutz Seiler: Kruso (Suhrkamp, September 2014) Ich will nicht anfangen zu schummeln, deshalb gebe ich erneut zu, auch dieses Buch werde ich nicht lesen. Aber Lutz Seiler erhält für es den Uwe-Johnson-Preis 2014 - ist doch was!

Saša Stanišić: Vor dem Fest (Luchterhand, March 2014) Mein momentan persönlicher Favorit und vielleicht der einzige Titel, über dessen Erscheinen auf dieser Liste ich mich spontan und genuin freuen konnte. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber Proben daraus, und ich weiß, dass ich es lieben werde (und nur als kleine Anmerkung noch am Rande: das DIESEM Buch vorangestellte Zitat ist wunderbar und kein bisschen selbstverliebt).

Heinrich Steinfest: Der Allesforscher (Piper, March 2014) Es gibt Bücher, da nervt mich schon der Titel. Dies ist leider eines davon. Sorry!

Marlene Streeruwitz: Nachkommen. (S. Fischer, June 2014) Werde ich nicht lesen

Feridun Zaimoglu: Isabel (Kiepenheuer & Witsch, February 2014) Werde ich definitiv lesen!

Michael Ziegelwagner: Der aufblasbare Kaiser (Rowohlt.Berlin, March 2014) Dieses Buch könnte witzig sein. Bin mir noch nicht im klaren, ob ich es lesen werde.

Leicht irritiert verlasse ich die Longlist wieder. Selten fand ich darauf so wenige Bücher, die mich wirklich interessiert hätten. Manchmal frage ich mich, wie diese Listen eigentlich wirklich zustande kommen und was sind exakt die Kriterien für die Auswahl der Bücher? Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen, spaßeshalber, den Versuch zu einer Longlist starten, über die ich mich gefreut hätte.
Gespannt warte ich nun auf die Shortlist, die am 10. September bekannt gegeben wird. (Meine Wahl ist klar: Stanisic !!!!! (obwohl er schon ein paar Preise eingeheimst hat dafür, ist das fair, wen er den ganz großen auch noch gewinnt????), Zaimoglu, Lechner, Friedrich !!!!, Klüssendorf !!!, über Platz 6 müssten sich Draesner und Lewinsky untereinander einigen.


© Susanne Becker



Sonntag, 10. August 2014

Alice Munro - Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage

Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage: Stories

It's like an addiction to read Alice Munro. I want to get to know all the people, she writes about. I am in love with all the people, who crowd the beautiful stories in this collection Hateship, Friendship, Courtship, Liveship, Marriage. They always seem to lead a fairly normal, unspectacular life somewhere in a small Canadian town or the countryside, until you sense, that underneath their surface, there is turmoil and weirdness and a truth, covered up in their everyday lifes, but nonetheless shaping them entirely with their underground current. The surface always, in the end, plays the minor part in all their lifes, even though it takes up most of their lifetime.
There is a woman, a boring woman somewhat, who never had any adventures, who served others, who is taken for granted by others or even ridiculed, who ships furnitures across the country to a man, she only met once, with whom she exchanged a few letters. She is not pretty or too smart, only smart enough to dive for her one great chance in life. The end of this particular story left me breath- and speechless. There was so much in it, so much surprise and beauty. I was lying in my hammock and exclaimed into the cherry tree "My god, this was perfect! A perfect story!" In another, a man has to bring his wife into a home for old people, because she shows more and more signs of dementia. He is not allowed to visit her for a month, for her to get adjusted to the new environment, but when he finally returns, she does not recognize him anymore and is more or less in love with another patient there, who is also married and only there for a brief time to give his wife a break. When she comes to take him back, everything changes and the husband does, what he needs to do to save his wife.
A very young woman visits her halfsister in Toronto to find a job maybe, but also to reunite with her sister. This halfsister is now married to their mutual music teacher from years back, she actually eloped with him and never contacted her family again until she was in desperate need of some money. The musicteacher is not too likable a character, but rather harsh and cold and with a tendency to be violent. The young woman sees herself escaping with her half sister, living a new life together and finds herself abandoned again.
Alice Munro tells us all these seemingly simple stories in such depth, she never leaves out an undercurrent and as a reader, one gets to know the characters, like they were family. I am addicted to read Alice Munro and let her explain the world to me. I want to meet everybody, she ever wrote about. No, actually, I want her to write about me and in reading my story, composed by her, I would understand, who I am, who I was, who I always was meant to be, I could see the undercurrent running my life. I would understand, that nothing in my life has the importance, that I ever thought  it had, and I would understand, how important things were on the other hand, that I never noticed, while they were shaping my life. I would fall in love with myself, like I fall in love with each and everyone of her characters, because there is clarity and understanding. She makes one fall in love with life and at the same time see its utter fleetingness, just not much really, to cling to in the end and yet: does it matter? No. The moments matter and the undercurrents.
I loved every story in this book, which made me call my bookstore, my favourite bookstore, to find out, if they had any others by her in stock. I want to read The Love of a Good Woman next.Yes, I loved every story, but if you would force me to choose one, I think it would be the one, giving the book its title: "Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage". The perfect story.
Every story was a revelation, about life and myself, so in the end, she writes about me, all the time, like she writes about everybody else and everything. That is, how universal she writes and how deep she dives.

© Susanne Becker