Berlin

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Mittwoch, 24. Juli 2013

Ghana must go - a novel by Taiye Selasi

"We did what we knew. It was what we knew. Leaving.... We were immigrants. Immigrants leave."

Ghana must go is a beautifully, almost flawlessly written novel by author Taiye Selasi, born in London, raised in Boston, living in New York, New Delhi, Rome - WOW! That is impressing. I saw pictures of her and she is drop-dead-beautiful too. Like the parents in the book, her parents are from Nigeria and from Ghana, immigrants. Like the four siblings in the book, she was raised in Boston. I read a review which stated, it might be, could be, slightly autobiographical, she being the twinsister Taiwo in the story. I don't know if it is necessary to always try to discover, what is autobiographical about a book one reads and if at all it is the right of the reader to know. Either way an author shows a lot about herself, writing such a deep and moving novel.
I missed her public reading in Berlin, which I deeply regret. I think, to see this woman and hear her read must be quite an experience. As has been just reading her book. The language is never tiresome and absolutely beautiful. The way the story is constructed is skilfull.
reading by the pool
The story starts with the death of Kweku Sai in the garden of his self designed house in Accra/Ghana. He dies barefoot, though for all his adult life, it was most important for him to not show the soles of his feet, to not show the signs of his growing up barefoot and poor.
A brilliant surgeon, a father who has left his four children unannounced, a husband, who has left his beloved wife Fola unannounced, because he lost his job as surgeon in a Boston clinic (not his fault) and tried to hide that fact for a year, while he tried to get it back (hopeless). He left, because it was what he knew to do when a life fell apart. The book is a lot about letting people down, letting people go, things falling apart - people and things coming back together. What moves people to leave? What moves them to come back? Why does one let other people down? How does one react, when things fall apart? What is falling apart anyways?
Kwekus dying lasts for about the first onehundred pages of the book and is interwoven with the oncoming memories during Kwekus heartattack, set in motion through things he sees, dewdrops for example, on the grass. These memories and associations introduce us to his children, his wife, his former life and starts the action. His dying can not have lasted much longer then five to ten minutes - though Selasi stretched it to become the first third of her book I never, not for one sentence did wait for it to be over. Taiye Selasi writes in a way that, though you might be confused at moments (what? he is still dying, we are on page 78 by now!) but it is a good confusion. It brings you out of a somewhat too phlegmatic state of thinking in your usual patterns.
Also the characters are unusual, not one chlichè among them, though she might come close at times, but never fully surrenders - the unusual, the individual, the character you have never met before, remains in every single person she develops on the page.In the end I wished I could have met them all in reality - and regretted again, that I did not go to Selasis reading.

The book is also available in german, where it is called "Diese Dinge geschehen nicht einfach so"

© Susanne Becker


Sonntag, 14. Juli 2013

Leben - Ein Roman von David Wagner

"Zu leben ist ja viel komplizierter als tot zu sein."

Ich war in meinem ganzen Leben bislang nur ein einziges Mal im Krankenhaus und konnte daher sofort etwas anfangen mit dem Satz: "Wir Patienten sind einander morgenmantelbekannt."
Lesen auf der Terrasse
Im Alltag, dem normalen, gesunden, einigermaßen schmerzfreien, verwendet man eine Menge Energie darauf, sich abzugrenzen: gegen andere Menschen, gegen das Bewusstsein, dass der Körper irgendwie, naja, vergänglich ist, Ich möchte in meinem Leben nicht nochmal ins Krankenhaus, denn dort rückt man nicht nur seinen Mitmenschen im Morgenmantel für meinen Geschmack etwas nah, ihren Krankheitsgeschichten, ihren Körpern, dem eigenen Körper sowieso. Ich möchte nicht leiden, keine Schmerzen haben und der Gedanke an Schläuche, die aus meinem Körper ragen könnten, gruselt mich, genauso wie der Gedanke, irgendwann könnte von mir nichts mehr übrig sein, es könnte vollkommen egal gewesen sein, dass es mich überhaupt gegeben hat. "...denn das Nichts ist für ein Ich ja fast eine Beleidigung - der eigenen Eitelkeit tut die Einsicht weh, dass man selbst nicht wichtig genug
sein könnte, um auch nach dem Tod noch dazusein."
Nicht alle werden so krank, dass sie irgendwann ohne ein neues Organ nicht überleben könnten, dass sie Monate in einem Krankenhaus verbringen müssen - aber irgendwann wird doch jeder von uns in Berührung kommen mit dieser Welt von Krankenhausroutinen, Langeweile, Schmerzen, Leberwurst in Metalldöschen zum Abendbrot, Vergänglichkeit. Das macht den Reiz des Buches aus, aber auch, für mich zumindest, seine abstoßende Qualität. Als er auf der zweiten Seite Blut in seine Badewanne kotzt, fragte ich mich, ob ich das wirklich im Urlaub, oder davon abgesehen überhaupt, lesen müsse, und ob ich nicht lieber den Krimi von Fred Vargas rausholen sollte. Allerdings, und deshalb ließ ich die Fred Vargas stecken, wo sie war, wird diese abstoßende Wirkung auf praktisch jeder Seite aufgehoben durch zwei Tatsachen: 1. David Wagner schreibt so derart lakonisch, humorvoll und ohne jede Spur von Pathos über die Geschichte einer schweren Krankheit, eine Lebertransplantation, monatelange Aufenthalte in einer Klinik und der Reha, dass er schon allein dafür den Preis der Leipziger Buchmesse verdient hat. Aber da ist auch noch 2. David Wagner schreibt nicht nur inhaltlich richtig gut, sondern auch sprachlich ist es ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Der Text fließt dahin und man wird hinein gesogen, bevor man es merkt, Gegenwehr zwecklos. Auf jeder zweiten Seite enthält er Formulierungen, von denen ich mir wünschte, sie wären mir eingefallen. "Es gibt Leberwurst zum Abendbrot. Ein rundes Metalldöschen mit Foliendeckel liegt auf dem Tablett, ausgerechnet Leberwurst ... Fünf oder sechs Tage nach einer Lebertransplantation, ist da Leberwurst nicht ein wenig rücksichtslos?"
Als er erfährt, dass er eine neue Leber braucht, geht auch gleich der Untersuchungsmarathon los, mit dem geprüft wird, ob sein Körper eine solche überhaupt überstehen könnte: "Ich erinnre mich an den Urologen, der meine Prostata untersuchte, digital-rektal, zwei schöne Wörter für Finger im Arsch. Vom urologischen Standpunkt spreche nichts gegen eine Transplantation, sagte er, außerdem erfuhr ich, dass ich Bilderbuchhoden habe. Wie toll."

Der Protagonist hat eine kleine Tochter. Wenn er sich fragt, warum er dieses ganzes Prozedere, diese ganzen Schmerzen und Umstände eigentlich über sich ergehen lässt, anstatt sich einer gewissen Lebensmüdigkeit zu ergeben, kommt er immer wieder auf sie zurück. Damit er noch eine Weile für sie da sein kann. Denn es ist für Kinder doch immer blöd, wenn ein Elternteil stirbt. Da seine Mutter an Krebs starb, als er zwölf war, weiß er, wovon er spricht.,
Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, warum man leben will, warum im größten Elend doch immer noch der Wille da ist, weiter zu machen. Seine Antwort darauf ist seine Antwort. Jeder kann diese Frage auf seine eigene Weise beantworten. Wie toll!

Wie toll auch, dass David Wagner noch ein paar andere Bücher geschrieben hat. Meine nachtblaue HoseVier ÄpfelWelche Farbe hat Berlin werde ich lesen.

© Susanne Becker

Samstag, 13. Juli 2013

the universe - maybe


the universe – maybe
we forget
we are always good

not just when you look at me

of course you
allow me to be a better person
of course you
allow me to be the best

spaciousness
I could not remain an old woman
bitter – under your eye
under this spaciousness so

full of love
not personal
don’t take it personal
I tell myseelf
the universe – maybe
it is - not personal

I turn into a better person
because you look at me
because of you
I want to try
to grow into goodness
under your eye
the sky breathes through me
the ocean sings its song
through me with me 

and it is not personal



© Susanne Becker

Donnerstag, 11. Juli 2013

Allerseelen

"Jedesmal, dachte er, ließ er sein ganzes Leben zurück, weil dort, wo auch immer, ein anderes Leben von ihm bereit lag, in das er nur einzutreten brauchte, jemand anders, der er auch war, so dass nicht er sich bewegt oder verändert hatte, sondern ausschließlich die Welt, die Umgebung. Der Übergang, die Seelenwanderung, tat manchmal weh, bis die Wirklichkeit dieses anderen Orts sich um ihn geschlossen hatte..."
Im Mittelpunkt ein niederländischer Dokumentarfilmer und Kameramann, der Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz verloren hat, der zeitweise in Berlin lebt, seine Freunde trifft, viel mit diesen redet, durch die winterlichen Berlinstraßen rennt, auf der Flucht vor Erinnerungen, vor den Toten. Irgendwann stolpert er über Elik Oranje, eine ebenfalls Gejagte, Doktorandin, Historikerin, und es beginnt eine Art Liebesgeschichte.

Allerseelen ist ein wunderbares Buch von Cees Nooteboom.
Lesen am Strand 


Es handelt von der Liebe, vom Tod, von Berlin kurz nach der Wende. Es handelt davon, wie Ausländer uns Deutsche, wie sie Berlin sehen,
von Zeit und von Geschichte, Einsamkeit, Vergänglichkeit. Hat es eine Bedeutung, dass es uns gibt? Wird es eine Bedeutung gehabt haben, sagen wir, in 500 Jahren, dass es uns gegeben hat? Wird sich irgendwer an uns erinnern? Etwas erschaffen, das es wert ist, dass man selbst es wert ist, nicht vergessen zu werden. Ist das möglich? Ist es nötig?
Sind Menschen heute noch verliebt? Wohin gehen die Toten? Hatte ihre Existenz eine Bedeutung? (room of names) Hätte sie eine Bedeutung, wenn wir ihre Namen nicht vergessen würden? Ihre Gesichter? Ihre Gerüche? Ihre Stimmen?
Ich las das Buch gerne, weil es diese existenziellen Fragen auf eine Weise in den Raum stellt, die mich und mein Denken bewegen, aber auch, ganz profan, ganz subjektiv, weil darin Eckpfeiler meiner Interessen aufleuchten. Ich lese und bewerte Bücher subjektiv. Wenn also jemand Nietzsche in einem Roman oft erwähnt (ich habe ihn während meines Philosophiestudiums verschlungen und meine Magisterarbeit unter anderem über ihn geschrieben) oder mir eine Gruppe meditierender Zen-Mönche in einem Kloster in Japan durch seine Worte lebendig vor Augen führt, auch dann bin ich beim Lesen beglückt, weil sich die verschiedenen Facetten meiner Persönlichkeit wieder finden. Das Großartige an diesem Buch war für mich, wie gekonnt und elegant Cees Nooteboom die Welten vermischt und zusammen webt, so dass mir am Ende der Lektüre einmal mehr bewusst wurde, dass ich mit allem, was war, mit allem, was sein wird, aufs innigste verwoben bin.







© Susanne Becker

Samstag, 6. Juli 2013

A suitcase for my books

Now I am finally actually, oh god, I am so relieved to get out of here, packing, for my vacation.
And since I've read a lot and since some of the books I meant to pack and mentioned in my earlier fantasy list  written for the case, time might ever actually pass and have me hop a plane to Mallorca, are read by now, this is the list of books, I am now really taking with me:
That does not look like much, but hey, its about 2300 pages to read and considering that I will not read more than say: average a 100 pages every day, I will not even finish them. I am only gone for two weeks, 14 days, approximately 1400 pages (sometimes I manage to top myself and read 200 pages, but that means that I need to ignore the entire life going on around me which is, quite frankly, difficult if you travel with your family, if you know what I mean). There is other stuff to do: I have to swim, to play and talk and do stuff with my kids and man,  to sleep, to just lie around and think, to just lie around and not even think (thats actually right now the MOST IMPORTANT point on my agenda), to sun bathe, to do some sightseeing (I wanna go back to Arta
and definitely to Belèm
and I am curious to find new favourite spots on this island, where there is so much to disvover away from the average touristy paths. Lilly wants to see a real cave, I wanna see some castle and we definitely want to visit Palma this time.)
I want to maybe write into my journal, maybe, and maybe I will work a bit on the novel I hate, very very maybe. There is spanish wine to drink, very very likely, spanish food to devour, spanish people to watch, ... I already feel like I am there and I wished I could say: I am only gone for 2 months, haha.
Can't wait to go on board in 8 hours. You all have a great time too and see you all soon again here!

© Susanne Becker

Dienstag, 2. Juli 2013

there is a story

there is a story
ahead of us
to be fulfilled
string of pearls
leading to a conclusion
already planted into our bones
when we first met
probably before that
before we were born
of course we knew nothing then
I barely know anything now
how not to behave
I know how not to behave
good girl
can not help it

under water
the truth becomes clear
a crystal
never turn away from your destiny

there is a story
ahead of us
barely existing
which already shapes us
we don’t know it
but we will go there
attaching to it gradually it will become our life path
attaching to it gradually
and it will become
our life path
which already shaped us
before we were born


© Susanne Becker
Foto by Armin Staudt