Berlin

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Sonntag, 30. Dezember 2012

Asta lernt Thomas kennen - mal ein kurzer Rückblick aus Schwäne lieben anders

Asta lernt Thomas kennen – mal ein kurzer Rückblick

Solo war ich schon so lange, dass die Verzweiflung darüber einer milden Form von Resignation mit gelegentlich aufblitzenden Hoffnungsmomenten gewichen war. Ich war sechsundzwanzig Jahre alt und ging davon aus, als alte Jungfer zu sterben (im übertragenen Sinne, denn ich war natürlich längst entjungfert). Offensichtlich wirkte ich auf Männer nicht sonderlich attraktiv. Ich wusste nicht, warum das so war, aber ich begann widerwillig, mich in diese Tatsache zu fügen. Das machte mich im Umgang mit Männern manchmal weniger wählerisch, als ich es hätte sein sollen.  
An einem der resignierten Abende, der absolut nicht wählerischen Abende, fragte mich meine Freundin Elli, die lange allein gewesen war und mit der ich die Verzweiflung kichernd und angetrunken an so manchem Abend geteilt hatte, ob ich mit ihr und ihrem neuen Freund Bernward (hallo, wer heißt denn heutzutage Bernward und wo hatte sie den aufgegabelt?) in den Stadtgarten gehen wollte, um ein Bier zu trinken. Da könnte ich ihn endlich kennen lernen. Ich hatte so viele Abende halb betrunken von einer Flasche schlechtem Wein allein zugebracht, vor dem Fernseher oder lesend, dass ich zusagte, obwohl ich die Vorstellung irgendwie deprimierend fand, dass Elli jetzt einen Freund hatte, ich nicht und ich Ellis Freund zu allem Überfluss kennen lernen sollte. "Bringt er einen Freund mit?" fragte ich noch in einem Anflug vager Hoffnung, aber Elli verneinte das. 
Wir trafen uns vorne an der Theke, es war voll wie immer, Edgar, ein ehemaliger Mitbewohner von uns, stand hinterm Tresen und reichte uns erfreut drei Kölsch herüber an unseren runden Stehtisch. Elli und Bernward unterhielten sich angeregt. Ich beobachtete Edgar bei der Arbeit und beschloss, mich einfach in ihn zu verlieben. Er zwinkerte mir zu. Er sah gar nicht schlecht aus. In der gemeinsamen Wohnung war er mir nie als Mann aufgefallen. Da war er der penible Hausmann gewesen, der alle anderen nervte mit seinem Sauberkeits- und Ordnungsfimmel, der ihn schließlich auch zum Auszug bewogen hatte. Ständig hatte er über unsere dreckigen Tassen in der Spüle gemeckert, über den mit eingetrockneter Tomatensauce bespritzten Herd und vorwurfsvoll hatte er rumgewischt, während wir anderen gemütlich am Küchentisch saßen und quatschten. Ich hatte ihn damals einfach nur bescheuert gefunden, wenn ich ehrlich war. 
Jetzt lief es mir bei seinem Anblick warm durch die Rückengegend, die im gleichen Moment unwirsch gedrückt und von einer sich in die rechte Niere pressenden Hand beiseite geschoben wurde, so dass ich mich halb auf dem Stehtisch liegend wieder fand. Als ich mich umsah, erblickte ich einen gut aussehenden Mann mit dunklen Haaren, der verrückt wirkte. Er arbeitete sich zur Theke vor. Ein olivgrüner Trenchcoat wehte hinter ihm her. Wie im Film. Er warf mir einen entfesselten Blick über die Schulter zu und sofort begehrte ich ihn. Es gibt einfach Blicke, die fahren einem auf direktem Weg in den Magen und entzünden dort so eine Art Freudenfeuer. Thomas konnte so gucken, dass man allein von seinem Blick schon einen Orgasmus bekam. (Ich gebe jetzt schon zu, dass dies seine absolut einzige Qualität war, aber es bedurfte einiger Jahre, bis ich diese im Grunde simple Erkenntnis ganz und gar begriff.) Edgar sah hinüber und ihn begehrte ich auch. Der Abend gefiel mir richtig gut. Denn nach langer Dürreperiode schienen sich meine Möglichkeiten gerade zu überschlagen.

Viele Biere später stand der dunkelhaarige Mann, der sich als Thomas vorgestellt hatte, mit uns am runden Tisch und ließ sich von mir zu einem Kölsch und dann noch einem Kölsch einladen. Als ich sie an der Theke holte, fragte Edgar „Warum lädt er dich nicht ein?“ „Er hat sein Geld vergessen.“ All die Jahre, die ich mit Thomas zusammen war, musste ich sehr oft an Edgars Blick an jenem Abend denken, Mitleid und auch Verachtung in kühlen, grauen Augen. Kurz hatte er mich in Erwägung gezogen, aber dann war ihm wieder eingefallen, wer am schlampigsten gewesen war in der gemeinsamen WG, über wen er sich in den anderthalb Jahren am meisten geärgert hatte, wessen Tassen überall halbvoll von Kaffee vergessen herum gestanden hatten, manchmal mit verschimmelten Resten irgendwo von ihm aufgegabelt werden mussten, in der Garderobe zum Beispiel oder auf der Badablage. Klar, dass ich keine Frau für ihn war. Klar, dass ich auf einen solchen Typen wie diesen Schnorrer rein fiel. 
Das mit dem Bier, das ich ihm kaufte, war eine Sache. Darüber konnte man mit einigem guten Willen noch hinwegsehen. Aber ich steckte mitten in einer Dürreperiode. Ich hatte seit zwei Jahren keinen Sex mehr gehabt, mich hatte seit mindestens zwei Jahren kein Mann mehr attraktiv gefunden, außer möglicherweise hinter meinem Rücken. Ich redete mir diese Möglichkeit, dass mich zig Männer toll fanden und ich wusste es nur nicht, mit aktiver Unterstützung meiner Freundinnen häufig ein, um der Verzweiflung nicht vollkommen anheimzufallen. Infolgedessen sah ich auch darüber hinweg, dass Thomas mir auf dem Nachhauseweg (und ich erwähne es nur für die Akten und um meine Ehre ein ganz kleines wenig wieder herzustellen, dass ich ihn an diesem ersten Abend nicht mit zu mir nahm, sondern erst am nächsten, nachdem ich ihm im Stadtgarten wieder Bier gekauft hatte) zuraunte: „ Falls ich gleich neben Dir aufs Pflaster knalle und Du siehst, dass ich ein Loch in der Stirn habe, bitte, geh einfach weiter und tu so, als würdest du mich nicht kennen. Ich werde verfolgt und irgendwann kriegen sie mich. Bitte geh dann einfach weiter, ich möchte nicht, dass du dich in Gefahr begibst.“
Dieser edle Wunsch hielt ihn allerdings nicht davon ab, wenige Tage später mit Sack und Pack (was in seinem Fall nicht mehr als eine Reisetasche war) bei mir einzuziehen.
„Sie wissen nicht, wo ich bin, ich habe meine Spuren verwischt. Sie denken, ich bin immer noch bei Carmen. Du bist also nicht in Gefahr. Sollte mir aber etwas zustoßen, was im Grunde ständig eintreten kann, lass meine Sachen verschwinden und erwähne mich nirgends.“ Carmen war die Freundin, die er vor und während und nach mir hatte. Aber die beiden letzteren Punkte waren mir noch unbekannt. Ich ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal.
Ich war keine dumme Frau. Ich war nicht hässlich und im Grunde sehr sensibel. Aber mein Selbstwertgefühl war im Eimer. Meine Mutter hatte es in diesen Eimer gesteckt, unabsichtlich, und ich bemühte mich, wie immer, damit vernünftig umzugehen. Vorwürfe halfen keinem weiter. Als Thomas mich traf, war ich einfach nur froh, dass endlich jemand etwas von mir wollte. Davon hing mein ganzes Wohl und Wehe ab. Denn wenn ich ehrlich war, stellte sich auch schnell heraus, dass seine Blicke besser waren, als der Sex, den man mit ihm haben konnte. 
Hilft es, wenn ich erwähne, dass er aussah wie der junge Robert de Niro?

deniro97.jpeg (288×185)

Freitag, 28. Dezember 2012

Mother poem 1


Mother poem 1  

no mother ever understands her daughter
that is like a sacred law of nature
no daughter ever understands her mother
it is not meant to be
this is freedom
a marvellous gift
you give everything yet remain free

hear the different voices
of a female chorus
knitted all through this infinite universe
like a giant spider’s web
of meaning
all connected
through space and time
forever
 of meaning
too deep to ever grasp
                                   thoroughly
too deep to not feel its eternal
                                   truth
and shudder
                                   with fear
                                   with joy
forever
humming through my blood
without words
the truth of a life
hear the different voices
of love
maybe
or hate
maybe
knitted all through this  infinite universe
of forgiving
maybe
of longing
maybe
like the giant spider’s web
eating us alive
holding us
eternally
in a poem
in a tender embrace
that is called…
                                   I do not know
                                   how to do this, yet I give my best
every day

Dienstag, 25. Dezember 2012

Prolog/Das Großmutteralbum aus Schwäne lieben anders


Prolog/Das Großmutteralbum

Zwei weiße Schwäne auf blauem Grund. Ihre orangefarbenen Schnäbel berühren sich und die Hälse formen beinahe ein Herz. Das Blau hat meine Großmutter aus dem Stoff geschnitten, aus dem sie sich selbst ein Kleid nähte zum ersten Jahrestag ihrer Eheschließung mit Großvater. Ein ganz leichter, hellblauer Baumwollstoff.  Die Schwäne sind aus einem weißen Spitzenstoff, dessen Herkunft ich nicht kenne (ihr Brautschleier?).
Sie fuhren mit dem Auto an den Rhein. Sie stiegen nicht aus. Großvater blieb lieber im Auto sitzen. Sie zündete ihm eine HB an. Er rauchte sie schweigend. Sie blickten auf den Rhein. Mein Großvater kurbelte ab und zu das Fenster auf seiner Seite herunter, um die Asche, um zum Schluss den braun gefärbten Filter hinaus zu schnippsen.  Dann kurbelte er es ganz schnell wieder herauf. Meine Großmutter stellte sich vor, auszusteigen, das Kleid abzulegen und ins Wasser zu gehen. Sie stellte sich vor, dass sie bis ans andere Ufer schwimmen und nicht zurückkommen könnte. Nur so als Möglichkeit. Es gab viele Möglichkeiten im Leben. Bei weitem die meisten blieben ungenutzt. Ein blaues Kleid genäht, um im Auto zu sitzen. Ein blaues Kleid genäht, um kein Geschenk zu bekommen zum ersten Hochzeitstag, auch keine Gratulation. Ein blaues Kleid genäht und nicht davon geschwommen. Sie war schwanger. Sie wusste es, aber hatte es meinem Großvater noch nicht gesagt.
Zwei weiße Schwäne auf blauem Grund. Wie bin ich hierher gekommen? stand auf dem Zettel, den ich in diesem Quadrat fand. Er bildete das Zentrum der Decke, die meine Großmutter aus vielen Quadraten über Jahre hinweg genäht hatte.
An diesem ersten Hochzeitstag beschloss sie, dass ihr Leben aus all diesen unerfüllten Möglichkeiten bestehen würde. Sie waren ihre Kunst und sie waren ihre Pflicht.
Die Tochter, die meine Großmutter unter dem Herzen trug, wuchs heran, um unter anderem meine Mutter zu werden. Man könnte sagen, dass sie diese Aufgabe nicht wirklich ergriff. Sie schrieb ein Gedicht, sie schrieb viele Gedicht, aber dieses eine schrieb sie lange, nachdem sie uns alle verlassen hatte und ihr Geld mit dem Schreiben von Gedichten und Romanen verdiente.
Ich bilde mir ein, sie schrieb es für mich, aber sie sagte, sie habe es für ihre Mutter geschrieben.

Tochter eines fremden Sterns

Dunkelheit.
Da ist kein Boden,
um sich abzustoßen,
- Füße schweben
in der Luft
meine Füße -
um wieder aufzusteigen,
ein endloser Fall
in das tiefste Nichts.
Eine Umarmung suchend,
wuchsen mir die Flügel,
schwarz und samten,
und dann stieg ich auf,
aber nicht zu hoch,
nicht zu hoch.
Sie hätte mir nicht verziehen,
andererseits,
gutes Kind,
würde ich sie verlieren,
andererseits,
gutes Kind.
Ich stieg auf,
aber nicht zu hoch.
Das Land unter mir
so winzig,
so eng die verwinkelten Gassen.
Nicht hoch genug,
sah ich sie in ihrem Sumpf sitzen
am Ende aller Gassen.
Alles war gelb und grün und braun.
Ihre dünnen Arme,
viel zu dünn,
ragten aus dem morastigen Wasser
hinauf in den Himmel.
Nicht zu hoch.
Komm zurück zu mir!
Komm zurück zu mir!
Meine schwarzen Flügel,
Samt eigentlich,
umarmten einen Teil der Welt,
den sie nicht sehen wollte.
Ich kam zurück,
aber ich blieb nicht.
Meine schwarzen Flügel,
Samt eigentlich,
umarmten einen Teil von mir,
den sie nicht kennen wollte.
Komm zurück zu mir!
Komm zurück zu mir -
Tochter eines fremden Sterns,
und nimm deine Maske ab,
zeig mir das Gesicht,
das du für mich tragen solltest.
Meine Flügel umarmen eine Dunkelheit,
bodenlos,
ich kann mich nirgendwo abstoßen,
um mich von dir fort
in die Lüfte zu erheben.

Irgendwann beschloss meine Mutter, ihre Pflicht nicht mehr zu erfüllen und sich weit weit fort in die Lüfte zu erheben. Sie schrieb Gedichte über Möglichkeiten, die sie niemals gehabt hätte, wäre sie bei uns geblieben. Das waren ihre Schönheit und ihre Kunst. Das war auch ihre Pflicht dem Leben gegenüber. Ich kann das verstehen.
Als sie mich fragte, ob ich sie nicht begleiten wollte, biss ich die Lippen zusammen so fest ich konnte, damit das „ja“, das mir in der Brust pulste, mir den Hals verwundete, wie ein Säurefaden hinunter in meinen Bauch krabbelte und dort eine brodelnde Lavasuppe anrührte, nicht entkommen konnte. Ich schüttelte meinen heißen und hämmernden Kopf und war von diesem Augenblick an die übersäuerte, die ätzende Asta. Denn in einer Million Jahren hätte ich, wenn es mir vorher jemand gesagt hätte, nicht glauben mögen, dass sie trotzdem geht.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Die Liebe ist nicht für immer aus Schwäne lieben anders


Die Liebe ist nicht für immer - Gertrud


Die Liebe ist nicht für immer. Es ist so komplett und unwiderruflich möglich, aus Gertruds Liebe herauszufallen wie aus einer Tasche, die unten ein Loch hat und keiner bemerkt es und man verliert einen Teil des Tascheninhalts und merkt es dann doch, aber erst wenn es viel zu spät ist. Wenn man es dann bemerkt, sind die wichtigen Dinge längst herausgefallen durch das Loch. Zurück bleiben Taschentücher, frische und gebrauchte, die man im Grunde nicht mehr voneinander unterscheiden kann, Papiere von Hustenbonbons und eine Kaugummipackung, die man vor zwei Jahren auf einer Fahrt nach Holland an einer Raststätte gekauft hatte, damit man dem Kind etwas anbieten konnte, wenn ihr wieder schlecht wurde. Läuft man die Strecke hektisch wieder zurück auf der Suche nach den verlorenen Gegenständen, dem teuren Lippenstift von Douglas, der zwar schon ranzig schmeckt, man benutzt ihn ja auch kaum, aber er war teuer, das einzige, was man je bei Douglas in Köln auf der Hohe Straße gekauft hat, die Hausschlüssel (natürlich, die fallen ja immer als erstes raus), die kleine Börse mit dem ganzen Geld fürs einkaufen (man hatte sich absichtlich eine so kleine Börse zugelegt, damit man endlich nicht mehr immer mit diesem Riesenteil zum Einkaufen gehen musste, mit dem man an der Kasse wie eine Kellnerin aussah), sind die Sachen längst aufgehoben von einem anderen, einem zufällig Vorübereilenden. Verlust ist eigentlich nichts schlimmes, wenn man an eine Gesetzmäßigkeit glauben kann – dass nämlich die Dinge zu den Menschen hinstreben, zu denen sie gehören. Warum Gertruds Hausschlüssel zu jemand anderem streben, darüber könnte sie eine ganze Philosophie ergrübeln, die in der Konsequenz möglicherweise zu einer Kurskorrektur ihres Gesamtlebens führen würde, also verkneift sie es sich. Wenn aber jemand ihre Liebe verliert, Gertruds Liebe, dann würde sie sagen und sich gutwillig und mutwillig dem Vorwurf der Simplifizierung hingeben, gehört sie offensichtlich nicht zu ihm. Sie ist im Grunde nicht verantwortlich dafür, also für ihre Liebe. Wenn sie selbst ihre Liebe verlöre, würde sie auch daraus kein allzu großes Drama machen. Sie gehörte dann eben nicht zu ihr.
Vielleicht war sie nicht dazu geboren, ewig zu lieben.
Als er auf sie zukam, beim Tanz damals, sie hatte ja schon von ihm gehört, der schmucke Rudolf, den die SS haben wollte, weil er groß war, blond und blauäugig und der sich geweigert hatte, ihrem Ruf zu folgen, da hatte sie sich nicht mit einem Gedanken der Ewigkeit verschrieben. Sie hatte nur an diesen einen Tanz gedacht, und daran, dass er offensichtlich mutig war und seine Prinzipien nicht einfach so über Bord warf, dann an den nächsten Tanz und da er ein guter Tänzer gewesen war, wollte sie immer weiter mit ihm tanzen. Sie wollte auch ein Kind mit ihm. Gott, sie hatte nicht gewusst, warum sie es wollte. Es war verlockend, in diesen Zeiten ein Kind von jemandem zu bekommen, der sich widersetzte, wenn auch in überschaubarem Rahmen. Das flößte ihr die Hoffnung ein, dass auch ein gemeinsames Kind nicht ganz rückgratlos würde sein können. Kann man die Liebe festhalten? Klügere Menschen als sie, die konnten das bestimmt. Sie konnte es nicht. Für sie war die Liebe ein glücklicher Zufall, ein Geschenk, und wie gewonnen so zerronnen. Würde ihr jemand den Trick sagen, es wäre doch zu spät. Sogar ihre Tochter, ihr einziges Kind, war heraus gefallen aus ihrer Liebe. Einfach so, mit einem Purzelbaum, da war sie dreizehn gewesen. Gertrud hatte es ihr nie gesagt, natürlich nicht. Als diese Tochter dann ihr Kind verlassen hatte, da war Gertrud natürlich sofort die Kausalkette klar gewesen. 
Als sie das Nähen entdeckt hatte, war es wie eine Freundin gewesen. Man kann mit einer Decke aus einzelnen Quadraten seine ganze Lebensgeschichte erzählen, stellte sie fest. Vor allem sich selbst konnte man sie erzählen, und auf eine Weise deuten, mit der man Frieden schließen konnte. Sie enthielt all die Zeit, die man im Leben nicht erübrigen konnte, um sich um sich selbst zu kümmern. Sie enthielt auch all die Stoffreste, die im Laufe einer Lebensspanne so anfielen. Alte Karnevalskostüme, alte Bettwäsche, Tischdecken, zerschlissene Kinderkleidchen, alles. Die Zettel, die kamen ganz schnell. Für wen Gertrud sie schrieb? Für die Zukunft. Für die Ewigkeit. Aber im Grunde schrieb sie sie immer nur für sich selbst und nähte sie ein, in jedes Quadrat einen Zettel. Damit das, was anstelle ihrer Liebe ihr Leben bevölkerte, nicht verloren gehen sollte. Illusion. Natürlich. Unter Umständen ein Rätsel für den, der es entdecken würde. Es machte ja nichts, verloren zu gehen, nicht für Gertrud und auch nicht für die Liebe.
Wenn man zu feige ist, die Wahrheit auszusprechen, dann hat das auch nichts mit Liebe zu tun. Es gibt kein mit-einander mehr. Das einander gehörte dann plötzlich zur gräblichen, zur vergrabenen Stille eines befriedeten Hofs, auf dem die Hühner leblos herumlagen und schon lange keine Eier mehr legten. Das einander war dann nur noch zu verbinden mit konträren Ausdrücken wie gegen oder ohne.
Gegeneinander in den Alltag hinein zu leben, ohne Berührungen allzu auffällig zu vermeiden, ohne sie aber auch herbeizuführen. Ohne einander in den Alltag hinein zu leben, ohne sich auch anzublicken. Denn die Blicke sind es ja, die einen verraten.
Einander aus Feigheit die Wahrheit verschweigen, das kann eine Beziehung zusammenhalten bis zum Ende der zählbaren Tage. Die Kunst ist es, darüber nicht bitter zu werden. 



Freitag, 21. Dezember 2012

Some favourite Books on writing

This is my list of  some of my favourite books on writing to which I return again and again whenever I am stuck with my writing and need some inspiration, or just feel like I need to contact with a soulmate in writing:

Natalie Goldberg is just a great person. Reading her book is a bit like meeting this great person - which I once did, in real. I attended a writing workshop with her at Ghost Ranch in Abiquiu/New Mexico and I swear it was one of the great experiences in my life so far!
  • Lamott, Anne, Bird by Bird (a book I loved to read)
  • Burroway, Janet Writing Fiction (lots of information, theory, exercises, a very good basic book about writing fiction, which I use again and again)
  • Brande, Dorothea, Becoming a writer (this book is standard, you have to read it, if you write, me thinks)
  • Piercy, Marge, So you want to write (tips and exercises from a good and experienced writer)
  • Bernays, Anne, Painter, Pamela, What if? (lots of exercises and fun, gets you started when you want to procrastinate)
I am always on the lookout for more books on this subject. So if you have any suggestions, please let me know!

Ergänzung, ca. eine Stunde später: Hier noch eine Liste mit 283 Büchern übers creative writing für jeden, der sich die Kugel geben will und den Rest seines Lebens mit Lesen verbringen möchte. Best Books on Writing

Arrested Development


Arrested Development (from the summer of 1997)

My development is arrested I feel.
The feeling of missing you properly is all I develop. So I decided to clean my room
today and dispose of everything belonging
to a past no longer important to me.
So far I carried down two bags
of pasttime accessoires which didn’t mean anything,

but I kept them. Anything
to prove I had a rich life. I feel
free of bags
burdening my shoulders. I need more room
for the present. Emptiness fills me
with satisfaction. It soothes my soul, belonging

into empty space and time, belonging
somehow into nothingness, makes me happy. Anything
can happen. Let me
fly, let me dream, until I feel
the meaning of life. No room
for a vision, people everyday are carrying their bags,

complaining, suffering, mourning. Too many bags
contain nothing more then sorrows belonging
to somebody else. No room
to dream up your perfect life and make it come true. Anything
to avoid happiness, it seems. People feel
lost, trapped, I feel them scream at me –

voiceless, but deep inside. Desperation surrounds me.
I want to yell: PUT DOWN YOUR BAGS
AND RUN. YOU DONT HAVE TO DO THIS! But I feel
they would not hear me. It is like they are belonging
into this weird life. Anything
to stay. Does not everybody deserve his empty room

to build a life with? A room
of ones own is one condition for happiness, don’t you agree with me?
And a room does not have to have four walls, it can be anything.
It can just be inside yourself, a golden bag
filled with sunlight to fuel you through your days, belonging
only to you. A treasure-island, the bluest ocean, a sandstorm. I feel

we are all like this. Harbouring a bag of golden light
within our souls. Are we belonging to ourselves now? I
feel I would give anything to share my room with emptiness.



Donnerstag, 20. Dezember 2012

Prinzessinnengärten bleiben wo sie sind

Es gibt Orte mitten in der Stadt, die sind wie ein eigener Kontinent der Seligen, eine kleine Welt, die groß strahlt und ihre ungewöhnlichen Regeln und Gepflogenheiten in ihre ansonsten so ganz andere Umgebung ausströmen. In Berlin gibt es davon nicht wenige, die Stadt ist groß und unbeachtete Ecken laden immer wieder Menschen dazu ein, solche Oasen zu gründen. In der Regel werden sie nach ein paar erfolgreichen, charismatischen Jahren geschlossen, weil die Plätze auf denen sie sich befinden, nicht zuletzt wegen ihrer phantastischen Zwischennutzer, so wertvoll wurden, es vielleicht auch immer schon waren, weil sie sich zum Beispiel dem neuen Aufbauhaus gegenüber befinden, oder an der berühmten, zentral gelegenen Oranienburger Straße, dass man durch deren Verkauf eine Menge Kohle machen kann. Kohle ist etwas, das kann Berlin wirklich immer gebrauchen. Und einen neuen verglasten Bürokomplex, ich meine, so als Hauptstadt, man sollte davon effektiv nicht zu wenige haben, die kann man immer bauen und wenn sie leer stehen, Schwamm drüber. Irgendwer hat damit bestimmt trotzdem Geld verdient. 

In diesem Jahr habe ich, Spätzünder wie immer, endlich auch einen solchen Ort am Moritzplatz in Kreuzberg gefunden, im Grunde eine hippe Hütte für den ganzen Kiez, ein Ort der Inspiration, der Kreativität, der Freiheit, eine Oase der Friedlichen und Wilden, der Pflanzen- und Bienenliebhaber, der Gärtner und Künstler, Ökos, Individualisten, Kinder und Ruhegenießer, geöffnet für jeden, mit herrlichem Café, leckerem Mittagstisch, Hängematten. Grasbank undundund. Wenn man vom eher unattraktiven Moritzplatz durch das Tor die Gärten betritt, ist man sofort in einer anderen Welt. Mir ging es jedesmal so, dass ich auf der Stelle abschalten konnte und mich fühlte, als sei ich in meinem eigenen Garten in der Uckermark. Ich glaube, das ging allen so, denn ich sah jedesmal glückliche Menschen, die herum saßen, verträumt die Beete betrachteten, flanierten, lasen, in der Hängematte lagen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kam, diese Gärten zu schließen, und an ihre Stelle ein schickes Bürohaus zu setzen. Aber die Gärten und ihre Freunde haben gekämpft und es hat sich einmal gelohnt. Nach einigem Hin und Her, Bangen und Hoffen, steht jetzt fest, dass die wunderbaren Prinzessinnengärten  bleiben können wo sie sind, und dass der Ort dem Kiez zurück gegeben wird, anstatt als Maklerware auf dem Immobilienmarkt verhökert zu werden. 
Ich freue mich und werde viele viele Stunden dort verbringen, immer dann, wenn es mir zu weit ist, in meine eigene hippe Hütte zu fahren.
Sollte die Welt morgen nicht untergehen, wünsche ich mir, dass sie sich doch verändert, und dass es ab morgen immer mehr und mehr Orte wie die Prinzessinnengärten geben möge. Ich wünsche mir, dass diese Orte sich wie eine Epidemie über die Welt ausbreiten und sie zu einem friedlichen, bunten, verrückten Ort machen!

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Write an elegy



Your death happened
in the middle of life.
Your death happened
for uncounted years
every day
in the middle of life.
We knew we would loose you.
We never talked about it.
It was a certainty,
lingering like a dark shadow over our heads,
that death was part of you
always.
We never talked about it,
never talked at all.
Talking was not part of the family legacy.

True is: Your shadow was the light of my life.
True is: Back than I took shadows for light.
Your shadow was dark
yet colourful, compared to the rest.
Your shadow was creative.
You could create anything with your hands.
Could fix everything with your hands.
Should’ve been a creator,
Should’ve been -
Should’ve been -
ALIVE
There was never a laugh.
Your shadow was not witty,
Not ever.
Bitter – yes
Cynical – yes
I took every cry for a laugh.

I can forget you
Not.
Your legacy shaped my life
and it was good to have your shadow
protecting me from compromising myself
too often. It was good to have your shadow
guiding me on a path of my own
(not finished not finished not finished).
I keep your face in my garden.
In my heart grows your throat.
The signs of strangling blossom like purple roses
and cover my dreams with a thousand plans!





Dienstag, 18. Dezember 2012

Hinter der Tür


Hinter der Tür lauscht
eine Antwort
auf die Frage
die ich nicht stellte,
bisher,
lauscht eine Frage
auf meinen Atem
stelle mich
stelle mich
an die Wand
hinter den Schrank.
Ruhig fließen die Tage
dahin, die Tränen
ins Tal.
Hinter der Tür
wartet die Liebe
auf ihren Einsatz,
Zauber,
horcht eine Antwort
auf eine Frage
ohne jeden Sinn
die sich selber stellt
atemlos
willenlos.
Nur so
geht es voran
ins Tal.
Hinter der Tür
rauscht der Fluss
der vorherrschenden Meinungen
und fährt den
Fragen,
den nicht gestellten,
über den Mund.

Sonntag, 16. Dezember 2012

A breath - in and out


What should happen next?
I don’t know
I suppose
you have to become quiet and open enough
(I want that very much )
to understand how it is meant,
everything,
yes, everything.
I am I am I am
heartbeat of my every day
Bim Bim Bim
the bell quotes my desire
always
what should happen
I can not know
never
ever
how?
Hear me
my desire
and become quiet
don’t be so loud
don’t be so obnoxious
what has to happen
has no meaning
what happens
is
a breath
in and out
thats it

Samstag, 15. Dezember 2012

Really II



Your shadow
So lovable
For a moment I thought I loved you
Maybe I even did
Still
Not important really
Because
For a moment I thought you loved me
Still
I listen to a bell
In my head
Not important really
Because peace of mind
Is so far away for me
Right NOW.
In a Japanese garden I met you
On the ground of a velvet sea
Ducks sleeping
Too close to touch
Really.

Freitag, 14. Dezember 2012

War

I live in a society in which pretty much the only people allowed guns are the police and the military - that might sound threatening to some (for example Mr. Burroughs), but after reading what happened in Connecticut, it sure as hell feels safer to me to live in a country where a whole lot of crazy people can not easily get their hands on guns. My heart goes out to all the people there! I can not stop thinking about it, because I always have my childrens school in mind and what it would mean if something like this would happen there. This idea alone blows my mind and I can not imagine what those poor children, parents and teachers had and have to go through. It is like war. If everybody can have a gun, war is always too close.

I remember when I lived in Virginia, which was almost 20 years ago, I used to hear the noise of shots flying through the night, often. At that time Richmond was the murder capital of the US. I, the naive german adventurer, in my twenties, I never felt threatened. In Germany we did not have murder capitals. We still do not have them. Murder is not such a common thing over here. 
I never even thought about what it might mean to live in a murder capital. If I was reflecting at all, it was on a pathetically immature emotional level. I felt I was living in one of those american movies or series I used to watch on german television and I loved it. I lived in an american movie, shotguns included, of course. I even drove my bicycle in the middle of the night through supposedly dangerous neighborhoods, which were really dangerous. People got killed there. Those neighborhoods were the ones I heard the shots coming from. They were one block away from my home. I knew that most murders happened among people who knew each other. I did not feel they would shoot a german girl bicycling past their house. 
Some of my friends had guns. I never thought about it. I never felt fear. I knew that people often got shot by the guns they had at home to protect themselves. I was too scared to touch those guns though. I never did. I just looked at them. I am a total foreigner in the country of guns. I sat on my front porch, I drank my beer, I smoked my cigarettes, I read my books, I wrote my notes, I watched people and cars passing, I heard the shots, I felt like in a movie, in a foreign movie with subtitles in finish or some other language I could not understand in gun country. 
But of course, nobody ever threatened me with a gun. I was lucky. Today I would shit my pants. I would have fantasies of me being the victim of a drive by shooting while sitting on my porch. I would fear to go to the gas station right on the corner to get new cigarettes because somebody with a gun might enter and shoot everybody. I am older and more paranoid now. I have children. I am paranoid mostly because I fear my children might loose their mother or father before they can stand on their own. The idea of loosing one of my children before I can stand on my own is just not thinkable. Again: my heart goes out. Loosing ones child through senseless violence I think might be the worst that can happen to you. I'd rather shoot myself right now right here then experience what those parents have to go through.

I saw a statistic today about how many people got killed by guns in 2012 in different countries. Germany is not that good, 200 got killed, so the idea of something like this happening here is not soooo far off, it could happen, definitely. It happens. But not as often. Hunters can have guns here. Among hunters you might find crazy people. Sometimes the children of hunters are crazy people and steal their fathers weapon and kill their former teachers and classmates. That has happened here. 
12 people got killed in Finland, sounds like a safe country. Finland also has a great school system. The language is difficult. So I might after all not move there. I am not a genius at learning languages. 
30 people got killed in England, I would have guessed more.
Over 9.000 got killed in the US, in one year. I would have guessed less, more like 1.000. 9.000 are a lot of lifes taken. A lot of stories stopped in the middle never to be ended. This is like war. Like a heavy battle fought every year. It is a lot of negative energy for a poor little country to deal with. When every crazy person can get hold of a gun, a society lives in a constant state of war, in a constant state of  fear, I believe. I believe it then might be difficult to relax, ever. I might be wrong. 




Mittwoch, 12. Dezember 2012

e.e. cummings

Not long ago I said and I did it even here, that I would not buy any new book before I had not read the 32 already gathering around my bed, waiting to be read. Well, to send that much right ahead: I did not keep my word. SURPRISE SURPRISE. But I did it for a book of poems by e.e.cummings, by nobody else, so I think I can forgive myself. I wonder how I could so far survive without a book of poems by e.e.cummings Its true! I am not kidding! Finally there is somebody who explains to me this world through which I  have stumbled without much of an orientation for a long long time.

somewhere i have never travelled,gladly beyond
any experience, your eyes have their silence:
in your most frail gesture are things which enclose me;
or which i cannot touch because they are too near

 His poems have a style which I never encountered before. He does exactly what, I to be frank, expect of somebody who writes poems. He finds new words or else new positions for words, we all know but have never understood thoroughly or in that way. He finds a new language really in order to say what he wants to say. There is an architecture in his poems which helps to build a new world, the world of e.e.cummings. I have not fully understood why but I feel at home in this world. He is for once courageous and an adventurer, that I like, of course. By building this new world he makes it possible for me to see my world in a fully new way, from a different angle. Very liberating, every time and so of course I love his poems. I breathe the ever same angles out, his poems break something open and create thus a new room in which I can meet my world and myself anew. I read one of his poems and everything is crystalclear.

since feeling is first

since feeling is first
who pays any attention
to the syntax of things
will never wholly kiss you;
wholly to be a fool
while Spring is in the world

my blood approves,
and kisses are a better fate
than wisdom
lady i swear by all flowers. Don't cry
- the best gesture of my brain is less than
your eyelids' flutter which says

we are for each other: then
laugh, leaning back in my arms
for life's not a paragraph

And death i think is no parenthesis.

 If one wants to be a master of language and I suppose everybody who writes poems aims to be a master of language he is allowed, no he is in a way forced, to play with language, to try it out, to evolve with new possibilities, new structures, new meanings. To change everything is almost a recommendation because for me, a good poem wants to express the deepest human condition one found after diving very deep. Sometimes one might even dive too deep and anyway, what you find in the depth longs for a language, that is as deep and which you dont just use in the store to buy a bread. Otherwise, why not?

"may my heart always be open to little
birds who are the secrets of living
whatever they sing is better than to know
and if men should not hear them men are old

may my mind stroll about hungry
and fearless and thirsty and supple
and even if it’s sunday may i be wrong
for whenever men are right they are not young

and may myself do nothing usefully
and love yourself so more than truly
there’s never been quite such a fool who could fail
pulling all the sky over him with one smile."


I will admit it only once and only here because it actually is embarrassing: e.e.cummings is my idol. I would love to be able to write like him, no, not like him, but like me. I want to write like me the way he wrote like e.e.cummings if that makes any sense. I want to create my susanneworld in which i dig for my susannehumanity and express it as deep as possible. And I would love to invite everybody into this world who feels he or she could be at home in it.

By the way: Björk wrote a song after a poem by e.e.cummings: Sun in my mouth .

Dienstag, 11. Dezember 2012

Daughter of an alien star


Daughter of an alien star 

Darkness.
No bottom to hit
in order
to rise again.
An endless fall
into nothingness
searching for an embrace
I grew wings
black and velvety.
And then I rose
but not too high
not too high.
She would not forgive me
otherwise.
Good girl.
I would loose her
otherwise.
Good girl.
I rose
but not too high.
The land below still
so small
so narrow the alleys.
Not high enough.
I saw her sitting in a swamp
everything was yellow and green and brown.
Her skinny arms
reached out of the muddy water
into the sky.
Not too high.
Come back to me.
Come back to me.
My black wings
velvet really
embraced a part of the world
she did not want to see.
I did come back
but never stayed.
My black wings
velvet really
embraced a part of me
she did not want to know.
Come back to me.
Come back to me.
Daughter of an alien star
and take off your mask.
Show me the face
you were meant to wear for me.
My wings embraced a darkness
bottomless.
I can not hit anything
in order to rise
from you.

Sonntag, 9. Dezember 2012

32 Bücher neben meinem Bett


Wer noch keine Idee hat, welche Bücher sie/er zu Weihnachten verschenken soll, ich dachte, für den bin ich mal indiskret und lüfte das Geheimnis der 32 Bücher neben meinem Bett (bereits erwähnt in dem Beitrag 100 bemerkenswerte Bücher 2012 - New York Times Liste vom 27. November 2012) die mir  in unterschiedlicher Lautstärke und zu sehr verschiedenen Gelegenheiten zugeflüstert haben "lese mich" und es immer noch tun. Bei diesem ständigen Flüstern von so vielen Büchern schlafe ich am besten.
Es vergeht kein Tag, an dem mich nicht irgend ein Buch interessiert. Das fing in meiner Kindheit an und seitdem ich gelernt habe, das Internet zu nutzen und ein Profil  bei Facebook habe, wo ich Fan unzähliger Literatur- und Verlagsseiten werden konnte, ist es nicht wirklich besser geworden. "lese mich", "lese mich".  Ich habe tatsächlich Bücher da liegen, die habe ich seit zwanzig (o.k. das kann ich dem Internet nicht in die Schuhe schieben, das ist klar), vielleicht sogar seit dreissig Jahren, nach der Schule nach der Uni von meinem Taschengeld gekauft, sie  wollten zu mir, ich habe sie noch immer nicht gelesen, oder wieder vergessen, dass ich sie gelesen habe, aber ich habe sie nie aus dem Blick verloren. Sie sind bei all meinen Umzügen immer brav mit in eine der ersten Kisten gepackt und am neuen Standort sofort wieder ausgepackt worden. Als erstes stand bei mir immer das Bücherregal (es ist übrigens seit 28 Jahren das gleiche, also das eine, es sind natürlich mittlerweile noch weitere Regale dazu gekommen). Es würde mir nicht in den Sinn kommen, die Bücher jemals wegzugeben. Manchmal tausche ich. Aber das ist auch schon das höchste der Gefühle. Bei Umzügen habe ich meine Brille verloren, das Portemonaie, meinen aktuellen Freund, aber niemals ein Buch.
Bei den Büchern schaue ich mir, bevor ich sie wähle, oft den ersten Satz an. Er sagt eine Menge darüber aus, ob ich das Buch lesen möchte. Es gibt unwahrscheinlich lange erste Sätze und ganz knappe. Ich bin, das gestehe ich, ein Fan der knappen. Wenn der erste Satz zu lang und kompliziert ist, kann es dazu führen, dass ein Buch verdammt lange neben meinem Bett herumliegen muss.

1. " Es ist unsere Absicht, in diesem Buch das Wenige festzuhalten, was wir an biographischem Material über Josef Knecht aufzufinden vermochten, den Ludi Magister Josephus III., wie er in den Archiven des Glasperlenspiels genannt wird." Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel habe ich noch als Teenagerin gekauft, im nicht mehr existierenden Buchladen Steinacker am Opladener Markt. Dort habe ich alle meine Bücher gekauft damals, nach der Schule. Dieser Laden war wie eine Insel der Seeligen für mich, eine totale Entdeckung.Die meisten Bücher, die ich damals erstand, waren von Suhrkamp und ich hatte sie in meinem Bücherregal farblich geordnet. Das Glasperlenspiel ist dunkelgrün und das einzige Buch von Hesse, das ich nicht gelesen habe.
2. Ähnlich ging es mir mit Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften. " Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen." Ich fing an es zu lesen und ging dann verloren in anderen Gedanken. Stark assoziiere ich beim Lesen und manchmal treibt mich das erste Kapitel eines Buches wieder von ihm fort in die Arme eines ganz anderen Buches.
Ich bin dreissig Jahre älter. Es könnte sein, dass Das Glasperlenspiel und Musil mich jetzt halten können.
3. "Die beiden Frauen waren allein in der Londoner Wohnung."  Doris Lessing, Das Goldene Notizbuch habe ich gelesen und ich erinnere mich an nichts. Es ist zwanzig Jahre her, ich erinnere mich an nichts, mea culpa, außer daran, dass es ein Meisterwerk war, das mich damals überforderte.
4. In die gleiche Kategorie gehört auch Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe. "Das vielgestaltige Werk, das hier vorliegt, ist seiner Grundhaltung nach dramatisch, wenngleich auf unterschiedliche Weise - in Prosastücken, in Gedichten und philosophisch Texten."
5. Ebenfalls von Pessoa, Algebra der Geheimnisse, das ich nur noch gebraucht bei Amazon finden konnte, damals aber natürlich bei Steinacker am Opladener Markt kaufte. "Am 30. November 1985 jährte sich zum 50. Mal der Todestag Fernando Pessoas, den Portugal als seinen größten Dicher in unserem Jahrhundert und seinen bedeutendsten Lyriker seit den Tagen des Nationdaldichters Camoens betrachet." Sie liegen neben meinem Bett, weil ich weiß, dass ich sie wieder lesen werde, so wie die Tolstoi Bücher, durch die ich mich gerade grabe.
Ich habe auch Bücher aufgestapelt, die sind erst ein paar Jahre Mitglied im Bücherclub meiner Schlafstätte, die habe ich mir aus verschiedenen Anlässen zugelegt.
6. "29. Dezember 1903 (Dienstag): Carl Ettmann glättet mit der linken Hand das Blatt und zieht mit der rechten die Leselampe näher heran, bis ihr Licht genau auf die Mitte der Landkarte fällt." Gerhard Seyfried, Herero weil ich in Namibia war vor zwei Jahren.
7. Genauso "Rasselnd fällt das schwere Tor des Gefängnisses von Windhoek hinter uns zu." Henno Martin, Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste. Wir sind durch die Gegend gefahren, wo die beiden sich versteckt hielten in der Namib Wüste.
8. "Sie beugte sich über ihn, ihre Brüste schwangen nach vorn, ein Duft stieg ihren Bauch entlang, er hob den Kopf ein wenig, um ihren Nabel zu sehen; eine kleine Muschel, mit einer oberen Krempe; er freute sich über den Anblick, doch dieser war nur die erste Etappe, was ihn wirklich interessierte, war die Fortsetzung der mit einer kleinen Stufe ansteigende Unterbauch, die schokobraunen Schamhaareund, je nach deren aktueller Dichtigkeit, eventuell sogar die Schamlippen - doch ausgerechnet hier geriet etwas durcheinander, ein Arm schob sich ins Bild, was macht sie da, streicht sie sich eine Strähne aus der Gesicht?, unter dem Ellbogen blitzte eine Gruppe Stockrosen auf, dazwischen stach die Sonne herein - Nein!, sagte er." Terezia Mora, Der einzige Mann auf dem Kontinent habe ich mir angeschafft, weil ich einen Kurs bei ihr belegt hatte. Sie ist eine tolle Frau und Lehrerin und ich mochte ihr Buch Alle Tage, trotzdem konnte ich mich zu diesem bislang nicht durchringen. Klar: ein extrem langer erster Satz. Der schmeisst mich immer wieder aus der Kurve. Es ist auch so: manche Bücher sagen mir jahrelang nichts mehr, bis sie mich dann aus dem Regal heraus anspringen. Eigentlich besorge ich mir oft Bücher, die mich anspringen, die irgendetwas in mir zum Anspringen bringen. Peinlicherweise (warum eigentlich peinlicherweise?) war das so bei
9. "Several years ago I was coming to the end of my sixties and facing my seventies, the second decade of what I thought of as the Third Act of my life - Act III, which, as I see it, begins at age sixty." Jane Fonda, Prime Time. Ich entdeckte es im Buchladen des Bahnhofs von Washington, als ich dort im letzten Jahr war und kaufte es dann doch nicht. Aber es sprang mich geradezu an, weil ich damals anfing, mit dem Altern eine schwierige Diskussion zu führen. Ein Prozess, der mich beunruhigt, mir fremd ist und über den ich mit wenigen sprechen kann, weil die meisten Freundinnen jünger sind. Ich wünschte mir das Buch dann zu Weihnachten, bekam es und legte es neben mein Bett. Jane Fonda ist über siebzig. Ich war mir dann plötzlich doch nicht sicher, ob es schon etwas mit mir zu tun hat.

Ich bekomme auch Bücher geschenkt, die ich mir nicht gewünscht habe. Nicht immer lese ich sie gleich.
10. "August 1931. - Für Reisende ist die Hafenstadt Veracruz ein kleines Fegefeuer zwischen Land und Meer, ihre Bewohner aber sind sehr stolz auf sich und ihre Stadt, die zum Teil ihr Werk ist." Katharine Anne Porter, Das Narrenschiff gehört in diese Gruppe, oder auch
11.  Wilhelm Genazino, Wenn wir Tiere wären "Es war ein zu warmer, fast schon heißerNachmittag, ich war auf dem Weg nachhause in meine stille Zweizimmerwohnung."
Ich bekam auch 12. What would Audrey do? Ein Buch, das ich dringend brauche, weil es zeitlose Lektionen darüber enthält, wie man mit Grazie und Stil lebt. "Audrey Hepburn came to the attention of most Americans in September 1953, when she got above-the-title billing as Princess Ann in A Roman Holiday - capturing the heart of her costar Gregory Peck, as well as a generation of moviegoers who wondered: Who is that young woman?"
Aus der gleichen Reihe gibt es übrigens auch "What would Grace do?" Ich hätte aber am liebsten "What would Katharin (Hepburn) do?" Das gibt es leider nicht.
13. Tenzin Wangyal Rinpoche, Awakening the luminous mind bekam ich erst vor kurzem von einer meiner besten Freundinnen, Regula Franz. Ich werde es bald lesen. "Meditation is a method of recognizing and being aware of the inherent completeness of each moment."
14. Es gibt Bücher, die habe ich gelesen und fand sie so gut, dass ich wusste, ich will sie noch einmal lesen. Dazu gehört John Fowles The Collector. "When she was home from her boarding-school I used to see her almost every day sometimes, because their house was right opposite the Town Hall Annexe."
15. Dann gibt es Bücher, die habe ich mir besorgt, weil ich bereits ein Buch der Autorin gelesen und es mich sehr beeindruckt hat. "Things started to fall apart at home when my brother, Jaja, did not go to communion and Papa flung his heavy missal across the room and broke the figurines on the étaggère." Chimamanda Ngozie Adichie Purple Hibiscus.

Meine Nachbarin Birgit hat ihre Regale aufgeräumt und uns eine Bücherkiste hoch gebracht. Da waren ein paar richtige Schätze drin.
16. "Erst einige Sekunden nachdem Arthur Daane an der Buchhandlung vorbeigegangen war, merkte er, dass sich ein Wort in seinen Gedanken festgehakt hatte und dass er dieses Wort inzwischen bereits in seine eigene Sprache übersetzt hatte, wodurch es sofort ungefährlicher klang als im Deutschen." Cees Noteboom Allerseelen
17. "Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen." Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt,
18. "Der Laoban saß mit untergeschlagenen Beinen neben der Erdfeuerstelle und inspizierte im Schein der glimmenden Kohle meine Geige." Dai Sijie Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Es gibt Bücher, die finde ich bei uns im Treppenhaus, wo die Mieter immer wieder Sachen ablegen,die sie nicht mehr wollen. Unser Treppenhaus ist ein Tausch-Flohmarkt, auf dem ich mir auch schon Bettwäsche, Möbel und Haushaltsgegenstände geholt und umgekehrt angeboten habe. Unser alter Schlafzimmerkleiderschrank, hässlich wie die Nacht, den wir eigentlich zum Sperrmüll bringen wollten, war dort in weniger als einer Stunde abgeholt und in eine andere Wohnung gewandert.
19. "Kabuo Miyamoto saß mit Würde auf der Anklagebank, sehr aufrecht und stolz, seine Handflächen ruhten leicht auf der Tischplatte; er wirkte fast unbeteiligt - soweit ein Mann unbeteiligt sein kann, dem der Prozeß gemacht wird." David Guterson Schnee der auf Zedern fällt, das ich jetzt auch bei keinem Verlag mehr gefunden habe, außer als Hörbuch bei btb.
20. "Der erste Sonnentag ließ die noch winterfeuchte Erde dampfen und erwärmte die zerbrechlichen Knochen der Greise, so dass sie auf den fürsorglich geebneten Gartenpfaden wandeln konnten." Isabel Allende Von Liebe und Schatten. Ich habe wirklich viele ihrer Bücher gelesen und geliebt. Sie sind vom Herzen geschrieben und ziehen einen immer in eine spannende Geschichte, in der starke Frauen große Rollen spielen.
21. "Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, dass eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte. den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gäste im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte." Javier Marías  Mein Herz so weiß.
Ich bekomme Bücher geliehen. Manchmal brauche ich eine Weile, um sie zu lesen.
22. "Im Zimmer herrschte Halbdunkel, denn der Richter mochte das Halbdunkel." Andrzej Szcypioski Die schöne Frau Seidenman

Ich stöbere oft bei Facebook oder sonst wo im Netz nach Büchern. Dann bestelle ich mir welche mit einem schnellen Mausklick :-( und komme ewig nicht dazu, sie zu lesen.
23. "Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen." Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit
24. "d. 3. Sept früh 3 Uhr stahl ich mich aus dem Carlsbad weg, man hätte mich sonst nicht fortgelassen." Johann Wolfgang von Goethe Tagebuch der italienischen Reise 1786
25. "It had been like dying, that sliding down the mountain pass." Annie Dillard Teachin a stone to talk
26. "When everything else has gone from my brain - the President's name, the state capitals, the neighborhoods where I lived, and then my own name and what it was on earth I sought, and then at length the faces of my friends, and finally the faces of my family - when all this has dissolved, what will be left, I believe, is topology: the dreaming memory of land is it lay this way and that." Annie Dillard An American Childhood
27. Annie Dillard Pilgrim at Tinker Creek Ich lese es gerade, aber sehr langsam, immer mal einen Abschnitt und den muss ich dann wieder verdauen. Ich glaube, der perfekte Ort, um dieses Buch zu lesen, wäre eigentlich meine Hütte. Vielleicht nehme ich es an einem nicht ganz so eisigen Wintersonntag mit hinaus und lese es dort in einem Rutsch durch. "I used to have a cat, an old fighting tom, who would jump through the open window by my bed in the middle of the night and land on my chest."
28. Ein weiteres Buch, das ich seit Wochen in kleinen Portionen lese und genieße und das mich immer wieder anregt, neue Gerichte zu kochen, Reste besser zu verwerten und die Backofentür nach dem Weihnachtsplätzchenbacken offen zu lassen, um Heizkosten zu sparen ist Tamar Adler An everlasting Meal "In 1942 M.F.K.Fisher wrote a book called "How to cook a wolf".

Es gibt Bücher, die habe ich von anderen irgendwie bekommen, sie sind bei mir hängen geblieben.
29. "Ein Morgen auf der Erde vor 114 Millionen Jahren kurz nach Sonnenaufgang: Die erste Blütenpflanze, die auf dem Planeten erscheint, öffnet ihren Kelch den Strahlen der Sonne." Eckhart Tolle Eine neue Erde
30. "Die Zufluchtnahme zum Erleuchteten (Buddha), der Lehre (Dharma) und der Gemeinschaft der erleuchteten Schüler (Sangha) hat tiefe Bedeutung." Ayya Khema Sei dir selbst eine Insel
31. "Die Menschen Tibets haben ihr Heimatland seit jeher Bö genannt, manchmal mit dem Zusatz Khawajen, "Land des Schnees". neu übersetzt und kommentiert von Robert Thurman Das Tibetische Totenbuch.

32. Das allerletzte Buch, das ich mir gekauft habe, werde ich als nächstes lesen. Ich wollte es immer schon lesen. Als ich vor einigen Wochen am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas war, sprang es mir im dort angegliederten wunderbaren Buchladen sofort ins Auge. Vielleicht werde ich es am 13. Dezember zu lesen beginnen. "Am 13. Dezember 1943 wurde ich von der faschistischen Miliz festgenommen." Primo Levi Ist das ein Mensch?


Samstag, 8. Dezember 2012

Blue


A little of my resistance
against life
I would like to leave behind.
Sunny times
is what I wish for.
Am I
where I wanted to be?
As if you’d get admiration for it!

The martyr thinks about home,
always about herself first,
and sacrifices herself
by not moving at all,
not an inch,
domineering people
with her rigor.
Rigor mortis.
At the same time
friends she does not have
admire the blue of the light, falling in,
not me.
I wished we were born
as brother
and sister in the middle of nowhere.
All beginning is always she,
life wants to be my prey.
Had my luck worked,
there was a plan,
thought up by night
-          and wasnt it her insulting life?-
I would be well on the way,
for sure well on the way.
What remains is depth,
yes,
- friends, that I have,
admire the blue of the light falling in-,
wanted, wished, würdevoll me
to dive in. In my head it is thinking,
the apples fall far far away from the tree,
behind it they fall on the deep ground
and nobody picks them up.
There were times, when the sun
was still shining, the wind was still blowing
the dreams were much much smaller
and they did not come true.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

In my thoughts


In my thoughts
every poem I write is for my mother
who does not read
who did not read
who will never read
not even my letters.
What I write,
is my love.
Its fragile but not for her.
What I write,
is the perfect nothingness.
If you stop breathing
you will have lost.
I swim in my anger.
I swim in a glowing fire,
it is energy,
the source of which I do not know.
It is pushing me forward.
To where?
In my thoughts
I meet the mates of my soul.
All of them have familiar faces.
I do not know them,
I do not know them after all.
After all that longing
I do not know them.
Mindfully I do not look at them.
My mirrored image in the desert
shimmers, like an old movie in black and white.
The path of possibilities ends
right here, right now
never
in total nothingness
and I keep the open questions in my arms
as if they were crying babies.
I can not do this without anger,
but I can do it without judging.
So much is possible.
If I sit with them long enough
I am sure there will still be no answer
but maybe there will be me
not asking any more.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

lobe den tag nicht


Kein Tag ist perfekt,
es zu erwarten wäre blanker Wahn.
Die Tage in Reinkultur
sind Aneinanderreihungen von
jenem Mangel an Perfektion,
den man sich vorwerfen kann,
wenn man es will.
Ich will.
Natürlich!
Nothing is ever perfect!
Merk es dir, Reisender,
in diesem Universum.
Wenn der Himmel so blau,
beim Aufwachen
pures Glück verheißt,
lauert dennoch die erste Wolke
an irgendeinem der Horizonte.
Regentropfen, die an mein Fenster klopfen.
Lobe den Abend erst am nächsten Tag,
wenn alles vorbei ist,
alles vorbei
und in einer gewissen Sicherheit.
In der Rückschau kannst du sagen,
es war gut,
wenn es gut war.
Einen klaren Geist benötigen wir alle.
In der goldenen Mitte lauert die Gefahr,
immer.
Mach dir nichts vor,
immer.
Lobe den Morgen nicht vor dem Abend.
Am Lagerfeuer leuchten die Gesichter
der Glücklichen,
denn immer hat das Morgen einen Abend.
Nicht jeder ist zugegen.
Lob erschlägt mit schwerer Faust
den Übermütigen,
oft auf der Schwelle
zum Glück.
Glüht die Sehnsucht im Feuer,
nach allem,
Morgenstund hat Tau im Mund,
Nacktschnecken auf der feuchten Wiese,
unter den nackten Füßen,
zwischen den Zehen,
feuchtes
Abendrot,
Schönwetterbot.
Am Abend liebe ich den Morgen,
er war perfekt.

Ich vermisse meinen Garten und meine hippe Hütte





Brüssow im April

Im Garten
unter den Kirschbäumen
die blühen,
bald blühen
vielleicht schon morgen
so saftig stehen sie im
Sommersonnenlicht
mitten im Frühling
liege ich in einer
geliehenen Hängematte
und schreibe ein Gedicht
Glück!

Heute hat mir der Nikolaus ein Buch gebracht, es heißt Meine hippe Hütte und es ist ein Bildband über kleine Refugien, Fluchtorte, Gartenhäuser, Schriftstellerkaten, Ateliers. Ich werde mich gleich mit einer Tasse Tee, einem leckeren Marmeladenbrot (Kirsche, gepflückt von den Bäumen, die auf diesen Bildern blühen und in meiner persönlichen hippen Hütte selbst eingemacht) und werde schwelgen und mir überlegen, was ich in meiner Hütte noch alles verändern und anmalen und bauen kann. Früher, wenn ich so ein Buch in den Händen gehalten habe, wäre ich begeistert gewesen und gleichzeitig ein bißchen traurig, weil ich die Sehnsucht nach so etwas so deutlich gespürt hätte. Nun schaue ich es mir an und bin so unglaublich glücklich, weil ich weiß, dass ich dorthin kann, dass ich eine wunderschöne hippe Hütte habe. Ich möchte im nächsten Jahr viel öfter noch als in den vergangenen beiden Jahren dorthin fahren und schreiben, Marmelade einkochen, gärtnern und einfach sein. Denn es ist wahr, was die Autorin Jane Field-Lewis in ihrem Vorwort schreibt, dass derart wohldurchdachte Hütten Orte der Inspiration sind, unabhängigen Denkens, der Kreativität und der Schaffenskraft. Sie sind aber auch ein Ort der Freiheit und des absoluten Glücks.

Ergänzung 20.12.12: Es gibt solche Orte auch mitten in der Stadt. In diesem Jahr habe ich einen solche Ort am Moritzplatz in Berlin gefunden, im Grunde eine hippe Hütte für den ganzen Kiez, ein Ort der Inspiration, der Kreativität, der Freiheit, eine Oase der Friedlichen und Wilden, der Pflanzen- und Bienenliebhaber, geöffnet für jeden, mit herrlichem Café, leckerem Mittagstisch, Hängematten undundund. Nach einigem Hin und Her, Bangen und Hoffen, steht jetzt fest, dass die wunderbaren Prinzessinnengärten  bleiben können wo sie sind, und dass der Ort dem Kiez zurück gegeben wird, anstatt als Maklerware auf dem Immobilienmarkt verhökert zu werden. Ich freue mich und werde viele viele Stunden dort verbringen, immer dann, wenn es mir zu weit ist, in meine eigene hippe Hütte zu fahren.