Berlin

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Freitag, 30. November 2012

Warum ich mein Leben schreibend verbringe


“Ich schreibe, weil da
eine Stimme in mir ist
die nicht still sein will.“
      Sylvia Plath, “You Ask Me Why I Spend My Life Writing”

Warum ich schreibe, steht im Grunde vollkommener ausgedrückt als ich es je sagen könnte in diesem Zitat einer Autorin, die ich bewundert habe, als ich noch jung war, die mir immer noch etwas bedeutet.
JETZT drückt es meine Befindlichkeit dem Schreiben gegenüber aus. Aber das war nicht immer so. Der Weg zu dieser Erkenntnis war lang und manchmal ein wenig mühsam. Das haben Wege ja so an sich.
      Ich begann zu schreiben als ich 12 Jahre alt war. Ich tat es, um meinem unglücklichen Zuhause zu entfliehen. Es öffnete einen Raum für mich, in dem ich eine andere sein konnte. Ich begann also zu schreiben, weil ich eine Autorin, eine Schriftstellerin sein wollte, und das war im Grunde jemand oder vielleicht sogar etwas, mit dem niemand in meiner Familie von Arbeitern, Alkoholikern, Hausfrauen und Bauern jemals in Berührung gekommen war. Schriftsteller waren eventuell nicht einmal Menschen, aber wenn sie es doch waren, dann lebten sie sehr weit weg von unserem Zuhause und suhlten sich in einem faulen und wertlosen Lebensstil. Ich liebte das und wollte genau das auch tun.
      Es gab kein Buch in unserem Zuhause außer denjenigen, die ich zu kaufen begann von meinem Taschengeld. Ich gab mein ganzes Taschengeld für Bücher aus. Ich verbrachte jeden Nachmittag in dem Bücherladen in der Nähe meiner Schule. Das erste Buch, das ich mir kaufte, war Anne Franks Tagebuch. Es gehört auf die Liste jener Bücher, die alle lesen sollten, bevor sie sterben. Ihr Schreiben berührte mich so sehr, dass ich mein eigenes Tagebuch begann, nachdem ich ihres gelesen hatte. Viele Jahre lang begann ich jeden Eintrag darin mit „Liebe Anne“, so wie sie die ihren mit „Liebe Kitty“ begonnen hatte. In meiner Vorstellung war Anne Frank meine Seelenverwandte, meine beste Freundin, die Person, der ich alles mitteilen konnte, meine Sehnsüchte, meine Klagen. Ich begann zu schreiben, um zu fliehen und auch um jemand zu werden der möglichst weit entfernt von meinem Zuhause war.  Während ich immer noch in meiner Kindheit gefangen war, und das sollte auch für die nächsten etwa sieben Jahre so bleiben, mutierte ich allabendlich an meinem kleinen Schreibtisch in meinem winzigen Zimmer mit der braunen Blümchentapete in eine berühmte und sehr kluge Person. Es zeigte sich mir sehr schnell, dass ich es liebte, an einem Schreibtisch zu sitzen und dass mich Bücher, Notizbücher, Stifte regelrecht süchtig machten. Ich kann mich besoffen schnüffeln an dem Duft einer Buchhandlung, wobei amerikanische Buchhandlungen anders riechen als deutsche. Manchmal bestelle ich mir ein Buch bei Amazon aus Amerika und rieche daran, bis ich Sternchen sehe.
      Ich verbrachte in der Oberstufe dann sehr viel Zeit in der Schulbibliothek, lesend, und schreibend über das, was ich las und ich entschied dort, dass ich Philosophie studieren würde um noch mehr lesen und schreiben zu können. In meinen Träumen lebte ich in den 60er Jahren, zog nach Paris und wurde eine enge Freundin von Camus, Sartre und de Beauvoir. Ich bin wirklich kein Freund von Laptops oder Computern, obwohl ich sie jetzt benutze. Sie sind praktisch. Besonders, wenn man viel schreibt. Aber im Grunde liebe ich Papier, Stifte, gebundene leere Bücher, die ich füllen kann. Ich hatte den Traum, veröffentlicht zu werden, berühmt zu werden, reich sogar. Ich wollte wie Simone de Beauvoir, wie Ingeborg Bachmann sein, ich wollte wie ein Bohème leben und bis ich fünfundzwanzig Jahre alt war, fand ich die Vorstellung noch nicht einmal schlimm, mich umzubringen oder in meinem eigenen Bett zu verbrennen, gerne in Rom, weil meine Zigarette aufs Kissen fällt, Feuer fängt und ich zu betrunken bin, um es früh genug zu bemerken, bis ich tot bin, da merke ich es vielleicht, aber es macht nichts mehr. Die Idee berühmt zu werden wegen eines berühmten Todes machte mir nichts aus, im Gegenteil. Ich war total verliebt in das Bild der weiblichen, verzweifelten Poetin, ich trank ihre Biografien, Sylvia Plath, Anne Sexton….Ich war bereit, tief in die Materie der menschlichten Traurigkeit einzutauchen und darüber zu schreiben. Ich glaube, ich änderte meine Meinung über das tragische Sterben, als ich beinahe dreissig war. Ich meine, ich habe nie wirklich etwas getan, das mich in Gefahr gebracht hätte außer zu viel zu rauchen und ein bisschen  zu viel zu trinken. Es war mehr die Idee eines tragischen Lebens, die mich ansprach, nicht es wirklich zu leben. Ich war niemals der Typ für Stress und Leiden. Ich überlebte also total unbeschädigt und hatte dann meine erste Begegnung mit dem Buddhismus, was ebenfalls letztlich durch das Schreiben geschah. Ich fand in einer Buchhandlung ein Buch von Natalie Goldberg über Schreiben und Buddhismus. An dem Tag, an dem ich begann es zu lesen, begann ich auch zu meditieren. Ich tat es auf Anne-Maries Sofa in Richmond und ich saß absolut unbequem und wackelig auf ihrem Sofakissen, aber ich hörte dort sofort und auf der Stelle meine eigene Stimme. Ich meine, ich hörte meine eigene Stimme zum ersten Mal wirklich, während ich dort saß, mit dem Kissen kämpfte, welches viel zu weich war, um darauf zu sitzen.
Von da an saß ich oft, und ich lauschte dem dummen Gerede meiner eigenen Stimme und ich entschied, dass ich auf keinen Fall ein tragisches Leben wollte, sondern glücklich und zufrieden sein wollte. Ich hörte auf zu schreiben, für eine Weile. Ich schrieb allerdings weiter Tagebuch, das immer. Ich füllte bis heute einhundertsechsundvierzig Bände and werde sie vermutlich bald zerstören, bevor meine Töchter sie finden und erkennen, dass ich doch nicht so interessant, so tief und so klug  bin wie ich möchte, dass sie glauben, dass ich es bin. Natürlich wissen sie das sowieso längst, aber die Idee, dass sie all dieses dumme Zeug lesen und Beweise für meine Fehler und Schwächen finden, lässt mich von Kopf bis Fuß erröten.
Nach Jahren des Tagebuchschreibens kam es zurück, das Schreiben in anderer Form, in allen möglichen Formen, und es wurde mehr und mehr eine Synchronübersetzung meiner inneren Stimme. Je mehr ich meditierte, desto mehr lauschte ich dieser Stimme und umso mehr hatte ich zu schreiben. Ich glaube, dass Meditation nicht dazu da ist, unsere innere Stimme zum Schweigen zu bringen, dass glaubte ich früher fälschlicherweise, ich glaubte, irgendwann würde es still werden da oben und dann hätte ich es geschafft. Jetzt glaube ich, dass ich meditiere, um die Stimme klar und deutlich zu hören. Sie erzählt mir alles, was ich wissen muss über das Leben.

Donnerstag, 29. November 2012

What'll happen next?


What’ll happen next?  

I pride myself in looking younger then I am
What’ll happen if people find
I do look my age?
Devastation.
What’ll happen, when my hair turns white?
Mourning.
-Getting old is not for pussies-
I pride myself in having a slender and still strong body.
What’ll happen when the first signs of aching arrive at my threshold?
knocking
I will ignore them as long as it works
that way
I will ignore myself as long as it works.
What’ll happen when the first signs of aging arrive at my threshold?
(Are you blind? They have been arriving for the past 20 years!)
Knocking
Slamming my front door open –
No! I still
WILL ignore them as long as it works
That way
I will ignore myself as long as it works.
I pride myself in being somebody I really want to be.
What’ll happen if I am in fact somebody else?
Somebody I dislike at the core of her being?
Ugly, badmouthing others (all the time, I mean ALL THE TIME)
I might be somebody
I would not want to meet –
I would not want to meet myself.
Desillusionment in absolution
Absolute Desillusionment
Since weakness is not en vogue
There is not much room to continue gracefully
 A life which leads into weakness unavoidably
Inevitably there will come this moment
Where somebody has to carry me over my threshold
Not for romantic reasons
But just plainly because I can not walk myself
Anymore
Ever
Not walking I will never reach a turning point
One way street
I might be crawling
out of this

Mittwoch, 28. November 2012

Hard to believe


Hard to believe

To think I might die
one day
over truly
not might but must:
I must surely die one day.
Nothing is solid,
not even me!
Not even me!
Surprise!
Surprise!
Subconsciously I did believe otherwise.
I would come
around
alive,
always alive.
The thought alone
in my head
now
leaves me speechless
breathless.
You mean this my life is not forever?
I am afraid to die in pain,
in vain.
Clueless really my whole life,
a bit wasted,
an existence close to not knowing anything.
My whole existence has been so far
about searching,
always wanting something,
dissatisfaction a lot.
To think it could be over any moment,
really
I mean
you gotta be kiddin’.
Think about it
for a second
just for a second…
over really and for good over
is hard to believe.

Hands up who believes it!

Dienstag, 27. November 2012

100 bemerkenswerte Bücher 2012 - New York Times Liste

Die New York Times hat ihre Liste der 100 Notable Books of 2012 veröffentlicht. Solche Listen erfüllen mich auf der Stelle mit Euphorie und schaffen es, dass ich stundenlang Rezensionen lese und meine Liste der anzuschaffenden Bücher auf der letzten Seite meines Tagebuchs sprenge.
Ich habe keines der Bücher auf der New York Times Liste gelesen. Solche Listen erfüllen mich gleich nach der Euphorie mit Stressgefühlen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch 32 ungelesene Bücher neben meinem Bett gestapelt und mir deshalb den Schwur abverlangt habe, mir erst dann wieder ein Buch zu kaufen, wenn ich sie ALLE (Susanne, sprich mir nach: A L L E) gelesen habe, werde ich diese Liste, die viele spannende Titel enthält, erst abarbeiten können, wenn die New York Times die Liste von notable books 2015 heraus gibt. Ein Wettlauf mit den Büchern, den ich im Grunde schon verloren habe. Fürchterlicherweise werde ich vermutlich niemals alle Bücher lesen können, die ich lesen möchte, es sei denn, ich steige aus meinem Leben aus und lebe als lesende Eremitin irgendwo in der Wildnis, als freiwilliger MOF (Mensch ohne Freunde), weil Freunde halten einen ständig vom Lesen ab. Ich schaffe es einfach nicht, so viel zu lesen, wie ich möchte. Ich habe einen Job, Kinder, einen Haushalt, einen Mann, neben den Freunden. Außerdem gehen meine Kinder auf eine Waldorfschule, da muss man sich nichts vormachen, da kann man sich im Grunde alle Hobbies schenken, weil man ständig Baustunden ableistet, für den Basar filzt oder Kuchen für irgendwelche Feste backt. Kein Mensch liest da.
Gerade habe ich einen Hexenschuss, was sein Gutes hat. Ich habe seit gestern 200 Seiten in Anna Karenina von Tolstoi gelesen, auf der Seite liegend, mit einer Wärmflasche im Rücken. Anna Karenina hat 1000 Seiten. Vielleicht habe ich es Weihnachten fertig. Ich wünsche mir zu Weihnachten Bücher, übrigens, hatte ich das schon erwähnt? Mein Mann hat die Liste schon.Aber im Grunde könnte ich ihm auch sagen: Schatz, schenk mir lieber das Gesichtswasser von Dr. Hauschka, denn ich hab die Bücher von letzem Weihnachten noch gar nicht alle durch.
Gesetzt den Fall, ich hätte keinen Alltag, ich träume jetzt einfach mal BIG;  und könnte ständig lesen, dann würde ich folgende Bücher der Liste sofort bei meiner Lieblingsbuchhandlung Ebert und Weber bestellen:  Canada von Richard Ford und vermutlich gleich einige seiner anderen Bücher. Ich würde ihn entdecken, denn ich habe in den letzten Monaten ständig und überall gehört, wie toll er sein soll. Dear Life, Stories von Alice Munro. Gathering of Waters von Bernice L. McFadden, und zwar schon allein wegen des Titels, der mich total in seinen Bann zieht. Gathering of Waters, das ist einfach ein wahnsinnig toller Titel, sorry, aber das musste ich jetzt noch mal wiederholen. Hope. A Tragedy von Shalom Auslander Es könnte sein, dass ich mir das bestellen muss, weil ich Geburtstag habe im Januar und ich könnte es mir wünschen. Dann hätte ich meinen Schwur nicht gebrochen. Also, es ist so, ich habe mir geschworen, selber kein Geld für Bücher auszugeben, bis ich sie alle gelesen habe. Ich habe nie geschworen, dass ich mir keine Bücher wünschen kann. Weihnachten und mein Geburtstag stehen praktisch vor der Tür. Ich glaube, das hatte ich schon erwähnt. Und wenn ich es schon schaffe, im Buchladen total diszipliniert nur noch Bücher für andere zu kaufen, ich finde, dann kann man von mir nicht verlangen, dass ich auch noch damit aufhöre, mir Bücher zu wünschen, oder?
Eines muss ich noch sagen: Meiner Ansicht nach fehlt auf dieser Liste ganz massiv das Buch David Grossmann, Eine Frau flieht vor einer NAchricht. Natürlich ist es schon 2009 erschienen, also vermutlich war es auf einer der vorherigen Listen, nehme ich jetzt mal ganz stark zugunsten der New York Times an. Aber auf meiner persönlichen Liste der notable books 2012 da steht es ganz oben, weil ich es 2012 gelesen habe, auf Mallorca, am Strand.
Ach, na toll, jetzt hat der Guardian auch noch eine Liste raus gegeben: Books of the Year. Authors choose their favourites


Sonntag, 25. November 2012

Why I spend my life writing

“I write only because
There is a voice within me
That will not be still.”
— Sylvia Plath, “You Ask Me Why I Spend My Life Writing”


That pretty much sums everything up for me. NOW. But until I was able to sum everything up in this sentence, which I gladly steal from Sylvia Plath, it was a long and winding road.
I started writing, when I was 12 years old, and I believe, I did it to escape my unhappy childhood home. It opened a room for me, in which I could be somebody else. So I started writing basically, because I wanted to be a writer, which was basically somebody, or maybe even some thing, nobody in my entire family of workers, drinkers, housewifes and farmers had ever been in touch with. Writers were probably not even people. But if they were, they lived far far away from our home, indulged in a lazy and worthless lifestyle. I loved it, and definitely wanted to be just that. There was no book in our house, but the ones, I started buying with my pocket money. I spent all my pocket money on books. I spent every afternoon in the bookstore close to my school. The first book I bought was Anne Franks diary, which definitely belongs on my list of books one should read before one dies. I was so touched by her writing, that I started my first diary right after finishing hers, and for years, I would start every entry with "Dear Anne", like she started every entry with "Dear Kitty". In my imagination, Anne Frank became my soulmate, my best friend, the person, I confided in all my yearnings and complaints. I started writing it to escape, and also to be somebody as far away as possible from my home. While trapped in my childhood for basically seven more years, I mutated into somebody famous and smart every night in my room at my desk The revelation came quickly to me, that I loved sitting at a desk, that I could become quite attached to books, notebooks, pencils. I even started spending lots of time in the schoollibrary, reading and writing about what I read, and I decided then and there, that I would study philosophy in order to be able to read and write about it some more. I dreamed myself to Paris and became a close friend of Camus, Sartre and de Beauvoir. I am really not a friend of laptops or computers, though I use them now, because its practical. Especially if you tend to write a lot.
I had the dream to be published to become famous, rich even. I wanted to be like Simone de Beauvoir, Ingeborg Bachmann, I wanted to live a bohemian lifestyle and until I was 25, I didnt even mind to kill myself, or burn in my own bed, because my cigarette fell on my pillow, and the bed caught fire, and I was too drunk to notice until stone dead. I didnt mind the idea of becoming famous after my famous death, because of it. Well I was totally in love with the image of any female desperate writer, I drank their biographies, Sylvia Plath, Anne Sexton.... I was ready to dive deeply into human sadness and write about it. I think, I changed my mind about dying tragically, when I was almost 30. I mean I never actually did anything to endanger myself, besides smoking a lot and drinking a bit too much. It was just the idea of a tragic life, that intrigued me, not the actual living of it. I never was the true type for stress and suffering. So I survived totally unharmed, and had my first encounter with buddhism, which actually happened through writing. I stumbled across a book by Natalie Goldberg about writing and buddhism, and the day I started reading it, I also started meditating. I did it on Anne-Maries Sofa in Richmond. I sat superuncomfortable on a sofa cushion, but immediately heard my own voice, I mean, really heard my own voice for the first time, while sitting there and struggling with the cushion, which was too soft to sit on really.
From then on, I sat often, and I listened to the stupid babbling of my own voice a lot, and I decided, that I didnt want a tragic life after all. I wanted to be happy and content. I stopped writing for a while, but I always wrote into a diary. I filled 146 volumes so far and I will probably destroy them, before my daughters find them, and find out, you know, well, that I am not always as interesting and deep and smart, as I want them to believe. I mean, not that they wouldnt know that anyway, but the idea of them reading all those stupid entries, and finding proof for my shortcomings, makes me blush head to toes. But stupid or not, I cant stop writing. It came back after years of just diaries, and it became more and more a record of that inner voice. The more I meditated, the more I listened to my voice, the more I had to write.
I really believe, we dont meditate to still our inner voice, but to truly understand it, because all our inner voices do is, tell us everything about life we need to know.


© Susanne Becker

Freitag, 23. November 2012

Behind the door


Behind the door
an answer is awaiting
a question
that was not asked by me
so far,
a question is listening
to my breath
ask me
ask me
to the wall
behind the door.
The days run quietly
the tears
into a valley
behind the door
love is waiting
for her call
magic
an answer is listening
for a question
without sense
asking itself
breathless
powerless.
Only this
is progress
into a valley of hope.
Behind the door
runs a river
a wild river
of common opinions
into every opened mouth
and drowns every question
not asked
so far.

Mittwoch, 21. November 2012

Books one should read before one dies/Bücher die man gelesen haben sollte bevor man stirbt

Das ist eine absolut subjektive Liste all jener Bücher, von denen ich finde, jeder sollte sie gelesen haben. Ich führe sie kontinuierlich fort und füge Links zu meinen Rezensionen an, so es diese gibt. Meistens kommen pro Jahr nicht mehr als 2, höchstens 4 Bücher dazu. Ich lese sehr viel, durchschnittlich vielleicht 40 bis 65 Bücher pro Jahr (naja, soviel ist das gar nicht, seien wir ruhig mal wieder ehrlich). Ich lese sehr gezielt. Also ich lese niemals etwas, weil man es gelesen haben sollte. Vielmehr lasse ich mich da vollkommen von meinem eigenen Gefühl leiten. Dennoch sind die Bücher, die mich dann wirklich aus den Schuhen heben, wenige. Ich muss aber auch sagen, dass ich sehr selten Bücher ungern lese, mich hindurch quäle. Da ich so gezielt lese, sind die meisten Bücher auch einfach gut in meinen Augen. Aber auf diese Liste kommen nur die herausragenden. Ich ergänze sie, wie gesagt, ständig. Es lohnt sich also, immer mal wieder hereinzuschauen.
Wie für meinen Blog üblich, verzichte ich auf allen BimBam. Ihr sollt die Bücher lesen und nicht in meinem Blog schwelgen.

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben (meine Rezi)
Peter Handke, Wunschloses Unglück (meine Rezi)
Herrndorf, Wolfgang, Arbeit und Struktur (Link zum Blog Arbeit und Struktur)
Teju Cole, Open City (meine Rezi)
Knausgard Karl Ove, Sterben (meine Rezi)
Knausgard Karl Ove, Lieben
Kermani, Navid, Dein Name (meine Rezi)
Hustvedt, Siri, The Blazing World  (meine Rezi)
Ozeki, Ruth, A Tale For The Time Being  (dt. Ausgabe Geschichte für einen Augenblick) (meine Rezi)
Haratischwili, Nino, Das achte Leben (Für Brilka)
Shafak, Elif, Ehre (meine Rezi)
Mora, Terézia, Das Ungeheuer (meine Rezi)
Primo Levi, Survival in Auschwitz ( Ist das ein Mensch?)
Keri Hulme, The Bone People
Szczypiorski, Andrzej, Die schöne Frau Seidenman
Cather, Willa, My Antonia
Das Tagebuch der Anne Frank
Hesse, Hermann, Siddharta
Suzuki Roshi, Zen Mind Beginners Mind
Hustvedt, Siri, What I loved
Auster, Paul, Winter Journal
Strout, Elizabeth, Olive Kitterigde
Leiber, Svenja, Schipino
Leiber, Svenja, Das letzte Land (meine Rezi)
Adichie, Ngozi Chimamanda, Half of the yellow sun
Adichie, Ngozi Chimamanda, Americanah (meine Rezi)
Didion, Joan, Blue Nights
Didion, Joan, The year of magical thinking
Goldberg, Natalie, Writing down the bones
Styron, William, Sophie's Choice
Frisch Max, Homo Faber
Frisch, Max, Stiller
Frisch, Max, Montauk
Grossmann, Daniel, Eine Frau flieht vor einer Nachricht
Zeh, Juli, Spieltrieb
Zeh, Juli, Adler und Engel
Zeh, Juli, Die Stille ist ein Geräusch
Tolstoi, Leo, Krieg und Frieden
Bachmann, Ingeborg, Das dreissigste Jahr
Bachmann, Ingeborg, Simultan
Piercy, Marge, Gone to Soldiers
Geiger, Arno, Es geht uns gut
Smiley, Jane, A thousand acres
Powers, Richard, Der Klang der Zeit
Sartre, Jean Paul, Das Sein und das Nichts
Nietzsche, Friedrich, Also sprach Zarathustra
Nietzsche, Friedrich, Jenseits von Gut und Böse
Safran Foer, Jonathan, Extremly loud and incredibly close
Safran Foer, Jonathan, Everything is illuminated
Hustvedt, Siri, Sorrows of an American
Goldberg, Natalie, Long Quiet Highway
Cunningham, Michael, The Hours
Brett, Lily, Einfach so
Brett Lily, Zu sehen
Nin Anais, Die Tagebücher 1- 3
Khaled Hosseini, A thousand splendid suns
Khaled Hosseini, The Kite Runner
Irving, John, Hotel New Hampshire
Uwe Johnson, Jahrestage
McCullers, Carson, The heart is a lonely hunter
Salzberg, Sharon, Lovingkindness
Leo Tolstoi, Anna Karenina


Dienstag, 20. November 2012

Green like the ocean


Her feelings – green like the ocean


She still was living at home
feeling a strange connection to her father
who always held this green bottle
in his hand, sitting in the garden
by his feet the dog.
They went never out of town.

Her entire family was born here in this town.
She knew, she should call it her home,
but could not; and looked at the dog,
who was born here too and licked her father’s
hand, whose eyes stared into the garden,
whose other hand grasped the bottle

desperately. There was no world beyond this bottle,
for him it seemed. This little town,
the wilderness of their garden –
her father could not find his way home.
She would always remain loyal towards her father.
No doubt, she would be as loyal as the dog.

He looked at her now, this dog,
questioning her feelings, green like the bottle,
like the ocean, her feelings – but not for her father.
She wanted to leave this town
so badly; but knew if she would not stay to be his home,
father would hang himself in the garden.

Not a doubt, her father – one tree of this precious garden –
she felt a burden, the eyes of the dog,
even eyes, accusing her of what? everywhere in this home
even eyes, she thought, in the contents of this bottle,
running down his throat. Peaceful, almost, he sent her into town,
he needed another bottle every day, her father.

But still, she knew, he could not help it, her father,
could not help it, would hang himself in the garden
one day. Before he had found the dog,
his only friend now, he had owned a little store in the center of their town,
hardware. Yet this loneliness was inevitable and even the bottle
could not cure it – this home –

lessness. One day, after the dog will be dead, every bottle
empty, buried in the garden, the father dead –
she will leave this town, which is not her home and will look for the ocean.


May 13th, 1995

Montag, 19. November 2012

Advice to myself

Heute morgen postete ich auf meiner Facebookseite dieses Gedicht von Louise Erdrich Advice to myself das für mich - und wie oft kommt das schon vor - genau das richtige Gedicht für den heutigen Tag war. (Es war übrigens das Gedicht des Tages beim Writer's Almanac, herausgegeben von Garrison Keillor, den ich nur jedem sehr empfehlen kann, der sich für Amerika, für Literatur oder für beides zusammen interessiert. Man kann auf der Website einen Newsletter abonnieren.)
Gestern war ich in München, bei dem Schreibseminar, ich erwähnte es bereits an anderer Stelle. Die Kommentare der anderen zu meinem Text nahm ich alle als Kritik wahr, und ich kam deprimiert zurück. Na gut, ich gebe es zu: Ich hatte überschwengliche Begeisterung, wenn nicht erwartet, so doch erhofft. Weil ich versuche, im Schreiben alles zu geben. Ich wünschte mir, dass dies gesehen und gewürdigt wird. Da ist man natürlich verletzlich. Eine Freundin, die im gleichen Kurs ist, die auch schreibt, die auch kritisiert wurde, nahm die Kritik, die ich hörte, als Lob für mich wahr. Das beweist, dass die Welt immer die ist, die man durch den eigenen Filter wahrnimmt, vielleicht weil man sie gerade genauso braucht, wie man sie sieht, um etwas zu verstehen.
Es war für mich fruchtbar, die Kritik als Kritik wahrzunehmen, weil ich so verletzt wurde, unbeabsichtigt, dass ich mich öffnete. Großes Lob hätte sicher zu einem Verschluss hinter selbstzufriedener Fassade führen können. (Und natürlich hätte es dazu geführt, dass ich mich wahnsinnig toll gefühlt und gefunden hätte, ich hätte Energie wie Superwoman gehabt und würde ohne jede Andeutung einer Depression durch den ganzen verdammten langen Winter kommen. Schwamm drüber. Ich will mich da jetzt nicht reinsteigern, obwohl ich es SPIELEND könnte.)
Das Lob hätte meinem Schreiben, ultimativ meinem Leben (über das hinaus, was ich oben erwähnte, Winterdepression vermieden etc.) vermutlich nichts genützt.
Die Kritik war übrigens nicht wirklich verletztend. Martin Hielscher und André Hille machen so ein Seminar ganz fantastisch und arbeiten sehr gezielt in jedem Text die Punkte heraus, an denen es sich lohnt, weiter zu machen.
Dies sei nur erwähnt, damit nachher nicht jemand glaubt, man sollte in der Textmanufaktur lieber keine Kurse machen, weil man am Boden zerstört wieder nachhause kommt. Ist nicht wahr.
Die Kritik löste bei mir einen Prozess des Nachdenkens darüber aus, warum ich eigentlich schreibe. Ich meine, im Grunde schreiben wirklich schon genug andere Menschen, es gibt keinen Grund, der Welt noch mehr Text hinzuzufügen. Entweder ist es eine Notwendigkeit, wenn auch nur für mich selbst, oder ich verbringe jetzt den Rest meines Lebens damit, Geschirr abzuwaschen und die Notizen anderer mit Büroklammern zusammen zu fassen und alphabetisch zu ordnen, ich achte darauf, dass meine Familie jeden Morgen ihr Müsli isst und dass jeder die richtige Zahnbürste und das richtige Handtuch benutzt, dass die Schuhe als Paare geordnet beisammen stehen und nichts im Kühlschrank verschimmelt. Mit diesen Aufgaben wäre ich beschäftigt, das kann mir jeder glauben.
Als ich das Gedicht Advice to myself las, da fiel es mir aber wieder ein, dass ich Geschirrspülen nicht mag und wenn ich anfange, darauf zu achten, dass die Mitglieder der Chaoskommune, in die sich meine Familie verwandelt hat, das richtige Handtuch und auf keinen Fall meins benutzen, dann bin ich bald reif für Heileurythmie.
Dieses Gedicht, das am frühen Morgen auf meinem Bildschirm erschien, war eine vollkommeneAntwort auf eine Frage, die mein Unterbewusstes schon die ganze Zugfahrt von München nach Berlin gestern gestellt hatte, ohne dass ich es hörte, denn ich musste mich erstmal sehr ausgiebig elend fühlen: Warum schreibe ich? Man könnte auch fragen: Warum lebe ich?
Ich wünsche mir, dass die Worte zu dem passen, was für mich das authentische Erlebnis meiner Existenz ist. Ich bin bereit, dafür sehr tief zu tauchen und mich unter die Oberfläche meiner Existenz zu begeben. Manchmal kommt es mir vor, dass ich zuviel Wasser geschluckt habe, dass ich meine Sauerstoffflasche früher hätte auffüllen sollen. Wenn ich den Worten hinterher tauche, um jede Barriere zwischen mir und dem Erlebten zu beseitigen, dann kann es geschehen, dass ich vergesse, wer ich bin, aber niemals, warum ich bin.  Ich schreibe, weil ich die Worte, die ich finde, verschenken möchte, damit sie die Barrieren sichtbar machen, die andere zwischen sich und ihrer Existenz errichten. Wenn sie es lesen, können sie ein wenig Wasser schlucken. Meine Worte schreibe ich zuerst für mich selbst, weil ich es liebe, tief zu tauchen, und als zweites immer für die anderen, weil ich hoffe, dass sie ihren Kühlschrank verschimmeln lassen und es vorziehen, mit den Toten zu sprechen und neue Formen von Leben zu lieben. Ich hoffe, dass sie ihre Wahrheit suchen und ihr mit all ihrem Herzen folgen, sobald sie sie gefunden haben. Mit diesem Herzen, das möglicherweise seltener gereinigt wird als der Boden unter unserem Sofa.
Es ist ein wunderbares Gedicht und es hat mir heute den ganzen Tag über Gesellschaft geleistet wie eine kleine, ganz persönliche Sonne. Es hat dazu beigetragen, dass ich mir irgendwann am Nachmittag, als die Sonne, die echte, längst vom Himmel verschwunden war, den Ratschlag gab, für mich den Winter heute doch noch nicht beginnen zu lassen.

Übrigens schreibt Louise Erdrich nicht nur tolle Gedichte. Sie schreibt wunderbare Romane, die ich nur alle wärmstens empfehlen kann. Garrison Keillor schreibt übrigens auch Bücher, die dann besonders Spaß machen, wenn man Amerika mag und noch besser kennen lernen möchte. (Home on the Prarie z.B. oder Lake Wobegon)

Donnerstag, 15. November 2012

Rosary


Rosary                                                                                                                      

A golden string
many years long
a golden string
many decades long
hopefully -
red pearls, small and big ones, dark and light red, so many shades –
MY LIFE!
I live along the string
like a blind woman with an inner eye
reading and writing with my inner eye
guided.
Each pearl has a meaning
My friend Andrea (1983)
The book by Suzuki Roshi
I found in a bookstore in Carytown in 1994
My colleagues boyfriend
who told me about Waldorfschools for the first time (2001).
Each pearl has changed my life
or should I say
shaped it.
It became what it was supposed to be
from the beginning.
MAGIC!
The first book by Natalie Goldberg
also at the bookstore in Carytown
also Richmond, also 1994.
A magical time was that!
The bookstore is a big pearl,
Richmond even bigger – to name a few.
My children – the biggest pearls.
There are so many more.
My way of magical thinking is
to know deep down
that the string with all those pearls
has been there before I have.
I have to find the way from pearl to pearl,
a blind woman
with her books,
a blind woman
with her notebooks.
It is not always so obvious
stretched out before me.
There have been foggy years,
even decades of feeling utterly lost.
My life
a magical blind walk along those pearls
lined on a golden string, guiding me.
The last one will be very close to the first one.
Touching it I will know.                                                                                           

Mittwoch, 14. November 2012

A beautiful Day


A beautiful Day (1997)

The street is humming below my window.
Soft air comes in and touches my skin.
I have seen a new country today
and shared with friends a beautiful day.
Tired now I have a beer, a cigarette and enjoy
my own company. So many experiences - I do not know where to begin.

If I could sing there would be a song. I begin
to think in colours and sounds lately. My window
to the world has been words, always words. I used to enjoy
my ability of expressing everything. My skin
was breathing out letters. I didnt even have to speak. Every day
of my life has been a trail of organized thoughts. Now I am in sounds. Today

was silence. Now I am in colours. Today
was a luscious blue. I think I could begin
without words. I could breathe a poem into this departing day
for you to drink. You could look out your window,
see your street, and taste my skin.
I never want to speak again. What could one possibly enjoy

in being verbal. I talk a lot but I enjoy
being silent more. I love to say: I dont know. I dont want to know. Today
while visiting a new country, not knowing its language, my skin
was touched by the tenderness of quietude. You begin
to see things without the pressure to express them. A window
to a new world opens up. Quietude can really make my day.

We drove through unknown forests all day
long. I stared out into the woods and tried to inhale everything I saw. It was easy to enjoy
this beautiful land. The window
reflected my friends faces, depending on how the light fell. Today
was a poem. I felt in place. I think I will begin
to trust myself. I know what I want. My skin

tickles with joy. Everything is crystal clear. My skin
is directly connected to my inner voice. Every day
they communicate. They show me my pace, I will begin
to follow them. It is easy to enjoy
a luscious blue, silent drives though forests and over bridges. Did you cross a bridge today?
It is easy to look out a shady window

and see the skin of a day fall into nights’ hands,
then to begin to breathe a poem out that window.
Enjoy the hum of silent coolness - today.

Dienstag, 13. November 2012

Tilman Rammstedt

 Tilman Rammstedt, Der Kaiser von China Ich gehe demnächst zu einer Lesung mit ihm. Mhm, ich habe gewisse Zweifel. Gerade. Also, nachdem ich dieses Video gesehen habe. O.k., er liest aus einem anderen Buch Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters. Er wird also zumindest sicher nicht mit Stäbchen rumhantieren und Chinesisch sprechen....hoffe ich. 

Ich habe Der Kaiser von China nämlich gelesen und mir total viel davon erwartet. Ich hatte Tilman Rammstedt auf der Lesung einer Freundin ( Svenja Leiber, Schipino) von mir gesehen. Sie las aus Schipino,  einem meiner absoluten Lieblingsbücher 2011 und das war richtig gut! Da stand Tilman Rammstedt, mit einem Glas Whiskey bewaffnet, total cool herum, manchmal lehnte er sich auch lässig an die rote Stofftapete und ich sah ihn und dachte: Cool, der sieht aus wie einer, der gute Bücher schreibt. Ich hatte, Asche auf mein Haupt, keine Ahnung, wer Tilman Rammstedt war. Ich lese ja immer solche deprimierenden Sachen wie Tolstoi oder Anne Sexton, sogar Max Frisch kann man mir noch unterschieben und jederzeit Ingeborg Bachmann, Aber eine andere Freundin sagte: "Mensch, das ist Tilman Rammstedt, der hat den Bachmann Preis mal gewonnen." Das ist klar, dass ich daraufhin sofort aufmerkte. Wenn eins klar ist, dann das. Immerhin hatte er den Bachmann Preis mit diesem Buch gewonnen, fand ich noch in der Nacht dank Google heraus. Ich musste es also besorgen und lesen.  O.k., es war auch total amüsant und ich habe hier und da geschmunzelt. Aber in Wahrheit habe ich mich die ganze Zeit gefragt: "Waaaaaaaas? Mit sowas gewinnt man den Bachmann Preis? HEUTZUTAGE! Ich meine, wir reden hier vom Bachmann Preis, der nach meiner absoluten Oberlieblingsschriftstellerin in all meinen Jugendjahren und irgendwie bis heute Ingeborg Bachmann benannt ist!!!  Ich war voll geschockt. Ich dachte, ganz ehrlich, dass sie sich 1. im Grab umdreht und 2. dass ich jetzt sofort ein Buch schreibe und den Bachmann Preis gewinne. Also, dass er mir einfach verdammt nochmal zusteht. Ich schreibe, seitdem ich zwölf bin. Da kann man wohl doch auch mal so einen Bachmann Preis gewinnen. Naja, ich hatte zwar keinen Whiskey getrunken, mag ich nicht, aber zwei, drei Gläser Wein, das reichte mir, um mich in eine Art Selbstgespräch zu verstricken, nächtlich, in Kreuzberg, das letztlich nirgendwo hin führte. Ich hatte ja nichts veröffentlicht. Ich war nicht so offensichtlich prädestiniert für den Bachmann Preis. Aber Svenja, die wars. Die hatte veröffentlicht und schrieb gut, richtig gut. Da würde Ingeborg sich auch darüber freuen, wenn Svenja den gewänne. Und ich auch.

Komischerweise mag ich Tilman Rammstedt jetzt aber trotzdem. Er ist witzig. Aber ist es eine ganze Lesung wert?
Ja, vielleicht schon. Obwohl ich jetzt bezweifle, dass er seine Band mitbringt. Fön, Wellness Aber lustig wird es werden. Ich lach jetzt schon. Ehrlich. Aber dafür den Bachmann Preis? Naja, vielleicht doch, weil er Charisma hat.  Das war mir schon klar, als er mit dem Whiskeyglas an der roten Stofftapete der russischen Kneipe lehnte. Und da hatte mein Freundin noch nicht erwähnt, wer er war.

Sonntag, 11. November 2012

Was noch geschehen soll


was noch geschehen soll
kann ich nicht wissen
es ist so, dass man durchlässig und still genug werden soll
(und ich will es auch)
um zu verstehen, wie es gemeint ist,
alles,
im Grunde alles
Ich bin Ich bin Ich bin
ewiger Herzschlag der Tagläufe
Bim Bim Bim
Glockenschlag der Sehnsucht
unablässig
was noch geschehen muss
kann ich nicht wissen
niemals
nimmermehr
woher?
erhöre mich
Sehnsucht
und werde still
was noch geschehen soll
ist nicht von Bedeutung
was geschieht
ist
ein Atemzug



Swimming


Swimming

While in the bluest water
I let myself flow and am one with the universe.
I count my stars and name my blessings.
Nothing seems a mystery,
everything is clear. My name
means lily, white and luscious, clear and flowing.

My sign is connected to the earth, but I am flowing.
If my name means lily, it must be a water-
lily, like in a japanese garden, my name
thus connects me with the rocks, the Zen-universe
and everything else is a mystery.
I count my blessings

and they are plenty, I stroke my blessings
and they curl in my lap like the flowing
body of a purring cat. I  know that life is a mystery
and yet I feel I know the depth of the water
I cross. I am not afraid to talk to the universe
and feel it answers every question. Its name

is always Yes and never Maybe. Its name
is written in gold on the charts of your blessings.
I am not afraid to walk in my universe
or even swim - part of it is flowing
part of it is water.
I was a swimmer in a former life - that is a mystery.

I have solved every mystery
in a former life. I have known it all, the name
of every star. While my arms part the water
I remember those days and my blessings.
I remember to have known everything - flowing,
I was not to separate from the universe

I swam in. Now I have to learn anew. The universe
hides its answers and whispers "mystery".
I part the blue wet cloud, my head is flowing
underneath. I see the earth, I see my name
and the waves with foaming crowns deliver my blessings.
I am born to live in the water.

An earth sign though, with the name of a water lily and
the blessings of a Japanese monk, discipline, quietude,
flowing in the middle of a universe, bearing its mystery.

Leonid, Mira, Raschka and all the others....






Nov 9th is the anniversary of Reichskristallnacht in Germany the night when jewish stores and apartments were attacked and destroyed openly for the first time in such a big number. So I thought I spend a little time at the memorial for the murdered jews of Europe here in Berlin, right next to the american embassy, the Brandenburg Gate and the Reichstag. Its a beautiful place. Maybe I am morbid, but I find it peaceful and it makes me understand on a deep gut level how those things can happen. That the core of it all is the human wish not to see the truth of whats going on, the wish to look away in order to not be involved.

If you ever go there dont miss the room of names. You can sit on one of those white benches and listen for hours to the life stories of all those unknown people who got murdered. Its a question of dignity for me to at least listen to as many stories as possible and try to keep them somewhere in my memory. Its a matter of awareness for me to understand, that not 6 000 000 people were murdered but that Leonid was murdered and he had a wife and 6 children, and Mira was murdered and she only was 15 years of age when she was poisoned by exhaustion fumes or Raschka who was 92 when she died on her transport to Auschwitz...When I am sitting and listening in the room of names it dawns on me that they are not gone. They are still here as part of our lives. Forever they will have formed with their destinies the universe in which I breathe. 
.Memorial to the murdered jews of Europe 

Samstag, 10. November 2012

Gespräche conversations mit with Lilly ( 7) und and manchmal sometimes Holly (14)

This post, dieser Post, works chronologically, ist chronologisch, meaning: I write the newest entry always at the bottom of it, so you have to scroll (or just read everything every time), bedeutet: Ich schreibe das letzte immer zum Schluss, Ihr müsst also runterscrollen (oder immer wieder alles lesen):

14.02.2012: Gespräch mit meiner 5jährigen Tochter heute abend: "Mama, ich bin unglücklich." "Warum?" "Weil ihr mir so einen doofen Namen gegeben habt." "Aha. Wie würdest Du denn lieber heißen?" nach längerer Pause: "Ich möchte, dass Ihr mich ab jetzt Maria Delfina Rubina nennt." "Das ist ziemlich lang." "Ich möchte trotzdem, dass Ihr mich so nennt. Und vergiss es bitte nicht bis morgen." "O.k. Gute nacht." 

29.02.2012 Ich hatte wieder ein interessantes Abendgespräch mit meiner 5jährigen Tochter. Sie: "Mama, stell dir vor, ich würde jetzt ganz schnell groß werden, dann könnte ich Dich noch heiraten." Ich: "Ehrlich, ich würde Dich vom Fleck weg heiraten." Sie "Ich dich auch. Aber natürlich geht es nicht...wir sind beide Mädchen (Betonung auf MÄDCHEN; so hat mich lange niemand mehr genannt:-) Ich: Das ist kein Problem. Zwei Frauen können jetzt heiraten, Zwei Männer auch." Sie denkt eine kurze Weile nach und sagt dann: "Oha, Männer auch????" 

16.03.2012 Gespräche mit meiner Tochter sind einfach das Beste: "mama?!" "mhm" "in meinem nächsten Leben wünsche ich mir unbedingt, dass ich als Junge geboren werde - aber wieder in deinem Bauch." "O.k." "Und würdet ihr mich dann bitte Benjamin, Elias, Johann, Leonard oder Niklas nennen." "Ist gut." "Nacht" "Nacht Schatz." Ich dachte noch nach, welchen der Namen ich am besten finden könnte und ob ich mir das bis zu unserem nächsten Leben überhaupt merken können würde, da hörte ich sie schon leise schnarchen. 

29.03.2012 "Mama", "mhm", "Tilla hat gesagt, Wichtel sind sooo groß" (sie zeigt mit ihren Händen etwa 25cm an/Gesichtsausdruck Entrüstung pur)"Wie kommt Tilla darauf" "Weiß ich nicht, aber sie hat nicht recht, denn Wichtel sind sooo groß" (sie zeigt mit Daumen und Zeigefinder 1cm an), "aha, woher weißt Du das?" "Ich kenne mich mit Zwergen aus." "Klar." "Und ihre Zahnbürsten sind auch so klein und ihre Badewannen" "Ach, Wichtel haben Badewannen? " "Ja und ihre Teller und Tassen und Regale....." "Nacht Schatz" " Nacht Mama". 

24.04.2012 Ich bin froh, wieder zuhause zu sein. Die Ostsee ist öde im Vergleich zum Leben mit meinen Töchtern. Heute teilte mir die ältere mit, dass eine ihrer Mitschülerinnen eine Bemerkung über Hollys Äußeres gemacht hatte, die, naja, durchaus als negativ interpretiert werden könnte. (natürlich der pure Neid, die blöde Pute, wenn sie mir in die Finger kommt, kann sie was erleben) ähem, das habe ich aber nur so für mich gedacht. Gesagt habe ich, und das fand ich voll korrekt: "Weißt Du, Leute die unaufgefordert etwas über das Äußere anderer sagen, sind meiner Erfahrung nach extrem dumm." Da hatte ich aber nicht mit Lilly gerechnet, die aus der Küche geschossen kam wie ein geölter Blitz und meinte: "Man darf Leute nicht dumm nennen. Jesus hätte das nie, niemals getan!" "Entschuldigung, Du hast natürlich recht." "Holly, aber sie ist dumm. Denn sowas sagen nur Kindergartenkinder, und sie ist ja schon 7. Klasse! Also, ärger dich nicht" teilte Lilly dann tröstend ihrer Schwester mit. Auf dem Weg ins Bett klärte sie mich dann noch auf: "Ich habe gebetet und ab jetzt werde ich versuche, viel mehr wie Jesus zu sein." Pause. "Das Badlicht ist noch an. machs bitte aus." Pause "Siehst du, sogar das bemerke ich jetzt, Mama. früher habe ich es selbst angelassen." 
"Lilly, Du ist haargenau wie Jesus! Gute Nacht!"

17.06.2012 Sunday morning, father and Holly are off to the flea market, time for Lilly and mother to discuss life and death matters like...SOCCER:
Lilly: "I am not gonna be for Germany tonite."
Me: "Why not?"
Lilly: "They won enough as it is. I am gonna be for Denmark and I want you to be for Denmark too."
Me: "I cant. I am in love with some of the german players. I cant force my heart to lie."
Lilly: "Have you ever been to Denmark?"
Me: "Yes, twice."
Lilly: "Was it beautiful?" 
Me: "Yes."
Lilly: "See!!!!"
Me: "I just cant."
Lilly leaves the room not without slamming the door.
She is pissed with me. 


21.06.2012 Lillys dream last night which she told me right after opening her eyes in ecstasy: all the german soccer players (especially Schweini and Klose but all others too) came to the childrens farm today where she is with her kindergarten every thursday. They sat around the fire with the kids and shared apple slices. Afterwards they came with them to kindergarten and started to work there as assistants (its a Waldorf kindergarten and I couldnt help envisioning gomez knitting and Klose felting things :-)) After lunch each player took a child by his hand and they went to the playground together, like the children lead the teams onto the field before a game. I guess the Euros are a strong influence in our family right now. 

10.07.2012 I asked Lilly today if she was sad to have left her kindergarten last week in order to start school in august. Her answer was like that from an old sage, she said: "No, because I had a good year in kindergarten. And now I go on to have a good year in school. And then I will have a good year as a grown up, have children of my own and all. And then I will have a good year as an angel. And if I want I 'll come back and have a good year as a human being again." Short pause: "but like I said: that is only IF I WANT TO COME BACK!" What else is there to say? I am soooo stunned with that daughter of mine  

23.8.2012

Religious talks among my children, part 128:
Lilly: "Mommy, was I already there, when Holly came to school."
Me: "Yes, you were but we didnt know it yet. We found out 2 days later. You had sneaked into my belly and we didnt know it."
Holly: "I am glad you didnt find out that day. That was MY DAY."
Lilly: "MOMMY, I didnt SNEAK into your belly! My personal angel brought me there."
Me: "Sorry."
Holly: "Well, he didnt bring me. I told him halfway I could find the rest of the way alone."
Lilly looks at her in utter disgust: "You cant like tell your personal angel what to do. You are not GOD!"
Holly rolls her eyes. 
Me: "Does anybody want another cheese and tomato toast?"


part 129:
"I have to tell God and my personal angel, that I want to come back as a boy next time."
Me: "I wanna talk with them too.!"
Lilly: "Why?"
Me: "I want to make sure that I can be your mother again."


O.k., one more conversation with Lilly, before I hit the pillow:
Lilly is in school now and learns among other things russian. So I asked her today: "Do you already know a russian word." She looked at me dead serious: "babooshka."
Me: "Great. What does it mean?"
Lilly: "You guess."
Me: "Maybe grandmother?"
Lilly: "Nope."
Me:"Then you tell me I cant guess."
Lilly: "Granny."
Me: "Aaaahaaaaa."


24.8.2012
Ich: "Lilly, während Du in der Schule warst, habe ich Dein Zimmer aufgeräumt und sauber gemacht."
Lilly: "Macht nichts."

10.11.2012
Sitting with my daughter Lilly (6) on our sofa. She is knitting I am knitting, mother and daughter in happy union. Candles are lighted, the atmosphere is one of peace and weekend. We are in the mood to have a conversation. She asks me "Mommy, tell me something from my childhood."

10.01.2013
My daughters are different: The older one informed us yesterday basically about how much time of the year 2015 she will be spending where: maybe 4 months in the US, to Russia she goes anyway and the rest we'll see. I know I will cry my eyes out once she is leaving but I am proud and happy, because I always was and still am a big fan of travelling and being n different places. Whenever I am home for too long, I have ants in my pants and need to book a flight :-) if possible. Now Lilly, last week, was standing at our kitchenwindow staring into the windows of the house opposite our court and she says: "Guess I am gonna try and get myself an apartment right over there" (she is still 6 so I knew she didnt mean like NOW). Me: " When?" She: "When I am like 20 or so. Dont worry, I stay with you a while longer." Me: "Great. I am relieved. Why do you wanna move over there?" She: "Because I don't wanna leave you." Me: "Thats so nice. Great!" She: "The question is only: will I take Bruno (the now 9 year old cat) with me or leave him here?" Me: "You know, cats do not like to move." She: "Well, I guess I'll take him with me then:"

14.1.2013

Lilly: „The russian teacher told us a story last week, where a girl froze to death, because she hated the father of the cold and drove him away, for good, I mean she dared driving him away. As if she could, you know.“
Me: “Fairytales are often pretty brutal.”
Lilly: “No, this was not brutal. She deserved it to die.”
Me: “Oh, I see.”
Lilly: “Her mother was bad too. The girl had a stepsister and I mean, she did everything everything right, the stepsister, all the time, but the mother still was never, never satisfied with her. So she asked the stepfather (and you know, in fairytales fathers are always the good ones, more sensitive right!) to take her out and kill her in the woods. But he was soooo sad. He cried. He couldn’t do it.”
Me: “Sort of like in Snowwhite.”
Lilly: “No, not at all.”
Me: “Cruel.”
Lilly: “No, it wasn’t.”

16.1.2013

Light family small talk conversation during supper (actually a discourse about logic, still during supper):

Lilly: "When is your birthday, Mommy?"
Me: "Saturday."
Lilly: "Is that the day after tomorrow?"
Holly: "No its the day after the day after tomorrow."
Lilly: "No."
Me: "Yes."
Lilly: "No its friday."
Me: "No, friday is the day after tomorrow."
Lilly: "Thats what I said." (on the verge of crying)
Holly: "No, friday is not Mommys birthday."
Me: "No its saturday."
Lilly: "Yeah, the day after tomorrow."
Holly: "No, saturday is the day after the day after tomorrow."
Lilly: "No!"
Me: "You clear the table, I have to stick my head in a bucket of cold water. Its steaming."


20.4.2013

Me: "What is your favourite animal?"
Lilly: "Wolves, desert wolves, foxes, dogs, cats, tigers, leopards, lions, panthers, hunting leopards, actually every soft animal is my favourite animal. I love them all."
Me: "With soft animals you mean like: animlas with fur?"
Lilly nods.
I look a bit sceptical: "What about rats?"
Lilly: "I love them. Actually I love all animals, even crocodiles."
Me: "Wow! What about spiders and wasps?"
Lilly: "I love them too. I love every single animal in the whole wide world."
Me: "Lice?"
Lilly: "Yep, love them."
Me: "I am really impressed."
Lilly: "Yeah, you can be. I am just a pet loving person."
Me: "Obviously."
Lilly nods and is, I can tell, more then happy with herself. Which she should be. 


29.4.2013

I think I mentioned a few weeks ago that I am living with the most pet-loving person in the universe (Lilly, 7). She even loves the lice on her head and also crocodiles, spiders and rats. But then we came into our garden saturday to find that mice had spent the winter in our house there, eaten our cereal (o.k. o.k., we were so stupid to leave it there) and also parts of our bedding. They had left tons of their poop in it too! They also had left tons of their poop in the kitchen which isnt as disgusting as it sounds. Little animals make little poops.
Lilly was furious: "Mama, if you find them, kill them!" (I didnt mention that I am the first person to run and hide when I see a mouse)
Me: "Weren't you like the most pet-loving person I met so far?"
Lilly: "Yes. I am!"
Me: "So?"
Lilly: "Kill them!"


28.5.2013

I love Lilly! After she was allowed to watch "Mary Poppins" for the zillionth time she came into my room: "Oh Mary Poppins is soooo wonderful. I wished she were my mother or my sister."
Me, somewhat well, stirred, asked her: "What, you want Mary Poppins as your mother? What about me?" (I might even have said: am I not good enough anymore or what? but I am not sure).
She: "Well, think about it. That would be cool. And you could be an aunt. Not a grandma, never. Definitely an aunt."
I think the "not a grandma, never"-part was meant to comfort me.


05.07.2013
I was doing my yoga thing last night when Lilly decided she also wanted to do Yoga. So she put a blanket on the floor and copied my postures. (Sidenote: I am pracitising the crow for 5 months now and am slowly slowly getting there, she just did it and kept the posture for f*****g ever) After 5 postures though she threw herself to the floor with a gigantic sigh: "I hate yoga. Its BORING. I love Aikido. You can fight people. You can do stuff with it! This yoga thing is good for nothing." Me: " Well I am happy for you that the summer break is over in about 4 1/2 weeks and you can go back to your Aikido class." "Yes and finally see my super funny friend Armin Staudt again. I miss him."

31.08.2013
Lilly und ich backen Pflaumenkuchen - also Lilly backt, ich darf nur daneben sitzen und zugucken.
Lilly schaltet den elektrischen Mixer kurz aus: " Also, ich hab doch nur 3-4 Mal zugeguckt und kann es schon, total alleine." Sichtlich zurfrieden mit sich schaltet sie den elektrischen Mixer wieder an.
Ich: "Ja, ich bin beeindruckt." 
Sie schaltet den Mixer wieder aus: "Was?"
Sie schaltet den Mixer wieder an.
Ich: "Ja, ich bin beeindruckt." 
Sie schaltet den Mixer wieder aus. "Was?"
Sie schaltet den Mixer wieder an.
Ich: "ICH BIN ECHT BEEINDRUCKT! ICH FINDE, DU BIST EIN NATURTALENT."
Sie schaltet den Mixer wieder aus: "Ja, das finde ich auch. Aber kannst Du jetzt mal aufhören zu quatschen, ich versteh durch den Mixer eh nix."
Sie schaltet den Mixer wieder an. 

Ich fühle mich irgendwie überflüssig.

23.11.2013
Gestern abend kam Lillys große Schwester von einem Abschied zurück. Sie hat einen Kurs beendet, der ihr sehr viel bedeutet hat, aber sie möchte zu neuen Ufern und daher war der Abschied unvermeidlich. Dennoch saß sie traurig am Abendbrottisch und meinte: "Abschiede sind schrecklich."
Der Vater: "Schmerz gehört zum Abschied."
Die große Schwester: "Ach toll, danke, DAS hat mir jetzt wirklich weiter geholfen."
Tränen sammeln sich in ihren Augen.
Lilly: "Ja, Abschiede sind schrecklich, vor allem, wenn die Väter in den Krieg ziehen."
Die große Schwester: "Lilly, Du bist großartig! Danke!" und lag lachend am Boden. Die Mutter und der Vater ebenfalls.
Lilly: "Wenn ihr über mich lacht, kann ich auch woanders essen."


5.3.2014
Lilly kommt mit todernster Miene in die Küche: "Mama, schlechte Nachricht!" Mir sinkt das Herz in die Hose. Katze verletzt? Mein Laptop versehentlich beim Spiel zerstört? Scheibe zerschlagen? Aber nein, es ist viel schlimmer! "Das Kopfteil vom Playmoindianer ist weg. Und EIN HÄUPTLING BRAUCHT EIN KOPFTEIL!"
Klar! Mein Herz sinkt noch weiter in die Hose, weil ich ahne, nein, eigentlich weiß, dass ich die nächste Stunde meines Lebens wieder einmal damit zubringen werde, auf allen vieren durch die Wohnung zu kriechen, jede Ecke durchzuscannen und gleichzeitig mit Engelszungen auf eine siebenjährige einrede, deren Leben im Grunde jeden Sinn verloren hat und die nie wieder wird spielen können, weil das Kopfteil vom Playmoindianerhäuptling das Zentrum aller ihrer Spiele und ihres Lebens, warum untertreiben: des Lebens im allgemeinen und schlechthin, ist.

7.3.2014
Teil 2 verlorene Playmofigurenteile!
"Mama, schlechte Nachricht!" Mir schwirrt der Kopf, weil ich gerade sehr ausgiebig gestaubsaugt habe, unter anderem unter Lillys Schreibtisch. "Der Babybiber mit dem beweglichen Schwanz ist weg." "Wo hast Du ihn denn zuletzt gesehen?" "Unter meinem Schreibtisch." Mir wird schwarz vor Augen. 1. Impuls: ich gebe vor, noch nie einen Babybiber in unserem Haus gesehen zu haben 2. Impuls: ich entferne den Beutel aus dem Staubsauger, schleiche damit unauffällig in den Hinterhof und gehe gezielt dem lauten KLONG nach, das irgendwann ertönte, während ich unter Lillys Schreibtisch staubsaugte. Ich entscheide mich für Impuls 2, schleiche in den Hinterhof, wühle im Beutel, bekomme sehr, ich buchstabiere S E H R staubige Hände und auch Unterarme, finde eine Reihe ich buchstabiere EINE REIHE von harten Gegenständen, unter anderem einen Playmobabybiber mit beweglichem Schwanz. Ich schleiche zurück in die Wohnung, platziere den Babybiber neben dem Sofa, wasche mich gründlich und erwähne, wie zufällig: "Lilly, meinst Du mit Babybiber das Tier beim Sofa?" Gott, wir sind so ne voll glückliche Familie. Es gibt wirklich selten Streit!!

18.2.2015
7.18 Uhr, Gespräch mit Lilly (8)
Sie: Ach, Du schreibst?
Ich: ja klar
Sie: was denn so?
Ich: Alles mögliche, Gedichte, Geschichten, einen Roman. Vielleicht kauft es auch irgendwann jemand und ich werde eine reiche und berühmte Schriftstellerin. Das wäre mein Traum.
Sie: Das war mir gar nicht klar, ich dachte, Du krakelst immer nur in deinem Tagebuch herum.
Ich: Nein nein.
Sie : Naja, wenn Du was verkaufen willst, musst du vielleicht einfach mal so schreiben, dass andere es auch lesen können. Ich könnte Dir dabei helfen.
Ich: Das wäre nett.
Sie: Allerdings kann ich heute gar nicht. Da muss ich meinem Aikidolehrer mit den anderen Kindern helfen.
Ich: Ist klar!